Ich habe mit dem Bloggen aufgehört, weil es in den letzten Monaten nicht um Entdeckungen in San Francisco ging, sondern um Jonglieren mit dem Alltag.

Wenn ich in meinem bisherigen Leben an eine besondere Herausforderung für mich gedacht habe, waren das ein paar Gipfel im Himalaya oder ein Marathon unter drei Stunden. Zwei Kinder hat dagegen jeder Durchschnittsbürger, und ich habe auch nie gehört, dass es besonders schwierig sein soll.

Unter uns: das ist es! Oder ich stelle mich wirklich blöd an. Dabei habe ich gute Voraussetzungen, denn Claire und Chloè sind jetzt 25,5 und 7,5 Monate alt und machen einen sehr lebhaften und gesunden Eindruck.

Swinging Sisters

Beginnen wir mit unserem Morgen:
Seit der Geburt von Chloè ist Claire jeden Tag in der „Daycare„. Theoretisch von 8 bis 17 Uhr, praktisch schaffen wir es nie vor 9 Uhr. Das kann ich sehr gut erklären: Chloè ist ein sehr gut gelauntes Baby,  schläft aber nicht wie eins. Zwei- bis dreimal nachts möchte sie ein bisschen Milch und viel Mama, das letzte Mal zwischen vier und fünf. Wenn ich Pech habe, wacht Claire um fünf auf und findet, die frühe Stunde sollte genutzt werden. Während Chloè friedlich weiter schläft, kann man das bei Claire vergessen. Jetzt ist sie in Erzählstimmung und spielt alles Mögliche, singt und springt herum, das ist sehr schön mitzuerleben und verdient einen eigenen Blogeintrag. Aber es ersetzt weder meinen Schlaf noch kommt es bei unseren Nachbarn gut an. Alternativ kann ich Claire vor Kindersendungen parken, das gibt mir Ruhe.  Ich mache das oft, und immer mit schlechtem Gewissen, aber es hilft enorm. Claire ist schnell im Ausräumen, Auspacken und Ausziehen. Ich bin dagegen langsam im Einräumen und Einpacken. Irgendwann muss ich aufholen, damit es nicht katastrophal bei uns aussieht. Aber der Bildschirm ist auch keine Garantie für Ruhe. Während ich heute duschen war, hat Claire unser Babyphon auseinander gebaut und den Akku in die Toilette geworfen. Kurz bevor sie mit der Klobürste mal so richtig durchwischen konnte, habe ich eingegriffen. Sehr ärgerlich fand Claire das, und machte ihrem Ärger lauthals Luft.

Gegen sieben wird es Zeit für Claire’s Milch. Danach heißt es anziehen, und gegen 7:30 sollten wir uns auf den Weg machen, damit Claire pünktlich zum Frühstück um acht in der Daycare ist. Chloè wacht aber oft erst um acht auf, und hätte dann auch Lust auf einen Schluck Milch, er darf aber nicht von irgendwoher kommen.

Deshalb wird es dann bei uns wieder mal laut: Chloè schreit in ihrem Bettchen, weil sie gerne auf meinem Arm wäre, Claire schreit auf dem Wickeltisch entweder, weil ich sie anziehe, sie sich aber selbst anziehen möchte, oder weil sie sich selbst anziehen möchte, es aber noch nicht kann und sich wahnsinnig darüber aufregt. Helfen darf man ihr nicht, denn sie will das allein machen. Wenn ich ihr in den Ärmel helfe, kann das zu einem Bilderbuch-Tobsuchtsanfall führen. Ausziehen kann sie sich allerdings schon alleine, d.h. mit einem Mal anziehen ist es meistens nicht getan.

Ist Claire fertig, kommt sie in ihren Hochstuhl, aus dem sie inzwischen leider problemlos klettern kann, aber mit Jogurt und Müsli bleibt sie sitzen. Ich renne zur schreienden Chloe, die, sobald ich vor ihr stehe, ein bezauberndes Lächeln aufsetzt. Jetzt kommt eine entspannte Viertelstunde anziehen, wickeln und stillen, während Claire frühstückt.

Dann machen wir uns auf den Weg. Chloè kommt in den Tragegurt, Claire in den Kinderwagen. Vorher kämpfen wir noch ein bisschen bezüglich Jacke und Schuhe, Claire findet diese Dinge überflüssig. Im Zweifelsfall renne ich mit der schreienden Claire unter dem Arm und Chloè im Tragegurt in die Garage, schmeiße Claire in den Jogger und laufe los, so schnell ich kann. Hauptsache, sie kann nicht aussteigen. Claire findet nämlich, sie sei für den Kinderwagen viel zu alt und will laufen. Deshalb ruft sie die ganze Zeit „Laufen!“, und weil sie einmal ein Halsbonbon in einer Tasche des Joggers gefunden hat, sucht sie jeden Tag nach einem Bonbon. Manchmal findet sie sich mit der Sache ab, zeigt uns, was sie sieht oder singt ein bisschen. An anderen Tagen muss es einfach laufen sein, und das macht sie sehr laut deutlich.

Laufen ist bei Claire kein Mittel zum Zweck, sondern Zweck an sich. Sie geht in jeden Hauseingang, steigt jede Treppe hoch, zeigt mir, wo es nass oder schmutzig ist und findet allerlei faszinierende Dinge. Damit wir jemals ankommen landet Claire immer wieder im Kinderwagen und protestiert, aber irgendwann sind wir bei der Daycare. Die letzten paar Meter darf Claire immer laufen, und sie rennt jedes Mal auf die Tür zu und rüttelt daran, weil sie sich so auf ihr Freunde freut. Geht die Tür auf, wird sie von jedem einzelnen Kind umarmt – im Moment von drei goldigen kleinen Jungen. Chloè und ich bekommen noch Küsse und Umarmungen zum Abschied, und ich kann mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, dass es meine Tochter richtig gut hat, auch ohne mich.

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