Es geht weiter – Teil 1: Unser Morgen

Ich habe mit dem Bloggen aufgehört, weil es in den letzten Monaten nicht um Entdeckungen in San Francisco ging, sondern um Jonglieren mit dem Alltag.

Wenn ich in meinem bisherigen Leben an eine besondere Herausforderung für mich gedacht habe, waren das ein paar Gipfel im Himalaya oder ein Marathon unter drei Stunden. Zwei Kinder hat dagegen jeder Durchschnittsbürger, und ich habe auch nie gehört, dass es besonders schwierig sein soll.

Unter uns: das ist es! Oder ich stelle mich wirklich blöd an. Dabei habe ich gute Voraussetzungen, denn Claire und Chloè sind jetzt 25,5 und 7,5 Monate alt und machen einen sehr lebhaften und gesunden Eindruck.

Swinging Sisters

Beginnen wir mit unserem Morgen:
Seit der Geburt von Chloè ist Claire jeden Tag in der „Daycare„. Theoretisch von 8 bis 17 Uhr, praktisch schaffen wir es nie vor 9 Uhr. Das kann ich sehr gut erklären: Chloè ist ein sehr gut gelauntes Baby,  schläft aber nicht wie eins. Zwei- bis dreimal nachts möchte sie ein bisschen Milch und viel Mama, das letzte Mal zwischen vier und fünf. Wenn ich Pech habe, wacht Claire um fünf auf und findet, die frühe Stunde sollte genutzt werden. Während Chloè friedlich weiter schläft, kann man das bei Claire vergessen. Jetzt ist sie in Erzählstimmung und spielt alles Mögliche, singt und springt herum, das ist sehr schön mitzuerleben und verdient einen eigenen Blogeintrag. Aber es ersetzt weder meinen Schlaf noch kommt es bei unseren Nachbarn gut an. Alternativ kann ich Claire vor Kindersendungen parken, das gibt mir Ruhe.  Ich mache das oft, und immer mit schlechtem Gewissen, aber es hilft enorm. Claire ist schnell im Ausräumen, Auspacken und Ausziehen. Ich bin dagegen langsam im Einräumen und Einpacken. Irgendwann muss ich aufholen, damit es nicht katastrophal bei uns aussieht. Aber der Bildschirm ist auch keine Garantie für Ruhe. Während ich heute duschen war, hat Claire unser Babyphon auseinander gebaut und den Akku in die Toilette geworfen. Kurz bevor sie mit der Klobürste mal so richtig durchwischen konnte, habe ich eingegriffen. Sehr ärgerlich fand Claire das, und machte ihrem Ärger lauthals Luft.

Gegen sieben wird es Zeit für Claire’s Milch. Danach heißt es anziehen, und gegen 7:30 sollten wir uns auf den Weg machen, damit Claire pünktlich zum Frühstück um acht in der Daycare ist. Chloè wacht aber oft erst um acht auf, und hätte dann auch Lust auf einen Schluck Milch, er darf aber nicht von irgendwoher kommen.

Deshalb wird es dann bei uns wieder mal laut: Chloè schreit in ihrem Bettchen, weil sie gerne auf meinem Arm wäre, Claire schreit auf dem Wickeltisch entweder, weil ich sie anziehe, sie sich aber selbst anziehen möchte, oder weil sie sich selbst anziehen möchte, es aber noch nicht kann und sich wahnsinnig darüber aufregt. Helfen darf man ihr nicht, denn sie will das allein machen. Wenn ich ihr in den Ärmel helfe, kann das zu einem Bilderbuch-Tobsuchtsanfall führen. Ausziehen kann sie sich allerdings schon alleine, d.h. mit einem Mal anziehen ist es meistens nicht getan.

Ist Claire fertig, kommt sie in ihren Hochstuhl, aus dem sie inzwischen leider problemlos klettern kann, aber mit Jogurt und Müsli bleibt sie sitzen. Ich renne zur schreienden Chloe, die, sobald ich vor ihr stehe, ein bezauberndes Lächeln aufsetzt. Jetzt kommt eine entspannte Viertelstunde anziehen, wickeln und stillen, während Claire frühstückt.

Dann machen wir uns auf den Weg. Chloè kommt in den Tragegurt, Claire in den Kinderwagen. Vorher kämpfen wir noch ein bisschen bezüglich Jacke und Schuhe, Claire findet diese Dinge überflüssig. Im Zweifelsfall renne ich mit der schreienden Claire unter dem Arm und Chloè im Tragegurt in die Garage, schmeiße Claire in den Jogger und laufe los, so schnell ich kann. Hauptsache, sie kann nicht aussteigen. Claire findet nämlich, sie sei für den Kinderwagen viel zu alt und will laufen. Deshalb ruft sie die ganze Zeit „Laufen!“, und weil sie einmal ein Halsbonbon in einer Tasche des Joggers gefunden hat, sucht sie jeden Tag nach einem Bonbon. Manchmal findet sie sich mit der Sache ab, zeigt uns, was sie sieht oder singt ein bisschen. An anderen Tagen muss es einfach laufen sein, und das macht sie sehr laut deutlich.

Laufen ist bei Claire kein Mittel zum Zweck, sondern Zweck an sich. Sie geht in jeden Hauseingang, steigt jede Treppe hoch, zeigt mir, wo es nass oder schmutzig ist und findet allerlei faszinierende Dinge. Damit wir jemals ankommen landet Claire immer wieder im Kinderwagen und protestiert, aber irgendwann sind wir bei der Daycare. Die letzten paar Meter darf Claire immer laufen, und sie rennt jedes Mal auf die Tür zu und rüttelt daran, weil sie sich so auf ihr Freunde freut. Geht die Tür auf, wird sie von jedem einzelnen Kind umarmt – im Moment von drei goldigen kleinen Jungen. Chloè und ich bekommen noch Küsse und Umarmungen zum Abschied, und ich kann mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, dass es meine Tochter richtig gut hat, auch ohne mich.

Die Giants und der Zwerg

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Heute ist Chloe genau drei Wochen alt, und ich habe immer noch nicht über die Erlebnisse von der Geburt in der UCSF Klinik berichtet. WordPress hat meinen Beitrag zweimal verschwinden lassen, aber wahrscheinlich war das ganz gut. Ein guter Freund von mir hat mir den Tipp gegeben „Wenn Du Dich über jemand ärgerst, schreib ihm eine E-Mail, erkläre genau, was Dir nicht gefällt und wie sauer Du bist. Und wenn Du fertig bist, löscht Du einfach die E-Mail“. Meine Blog-Software hat mir geholfen, diesen Ansatz bei den Geburtserfahrungen anzuwenden.

Auch drei Wochen später finde ich, dass Chloe und ich die Geburt sehr gut hinbekommen haben, allerdings weniger dank der Unterstützung der UCSF Klinik, sondern trotzdem. 

Die Erfahrungen in der Klinik haben meine schlimmsten Erwartungen übertroffen, und ich hatte schon drei Gründe, nicht zu optimistisch zu sein: Die Kommunikation zur Terminabsprache lief bei allen Krankenhäusern, mit denen ich gesprochen habe, über Call Center ab, und die Damen am Telefon vermittelten den Eindruck, schnell aufzulegen statt weiterhelfen zu wollen. Und ich habe den Dokumentarfilm „Sicko“ von Michael Moore über das amerikanische Gesundheitssystem vor ein paar Jahren mit Interesse gesehen. Natürlich habe ich ihn nicht Ernst genommen. Soso, dachte ich mir, da polarisiert Moore mal wieder. Drittens gab es Einwände von Freunden und Familie, so eine Geburt in den USA sei schon sehr mutig. San Francisco ist ja nicht gerade dritte Welt, dachte ich mir, hier ist doch alles so innovativ und fortschrittlich, außerdem sind Geburten ja nun wirklich weltweit sehr verbreitet, was soll schon passieren?

Es passierte dann aber doch Einiges, das ich in einer Mängelliste festhalten will:

27.10.2014, 20:40 Wir kommen auf der Geburts-Etage an. Ein Schild an der geschlossenen Tür sagt, die Öffnungszeit ende um 20:30. Es gibt keine Klingel (nicht, dass ich mir nicht Zutritt verschafft hätte, ich hatte nämlich das Gefühl, es sei dringend).

27.10.2014, 20:45 Etwa 10 Schwestern stehen im Gang und unterhalten sich aufgeregt über die World Series, morgen werden die San Francisco Giants im Endspiel sein, wir werden nicht beachtet. Die Dame an der Rezeption ordnet etwas hinter der Theke, nachdem sie festgestellt hat, dass ich nicht im System eingetragen bin (war ich aber).

27.10.2014, 20:47 Ich habe das Gefühl, das Chloe sofort kommt und will eine PDA, die Wehen kommen alle zwei Minuten, und sind gelinde gesagt unangenehm. Ich versuche der Dame an der Rezeption auf die Sprünge zu helfen, indem ich mich laut stöhnend an ihrer Theke festhalte und in die Knie gehe. Es beeindruckt sie nicht, nach wie vor werden wir behandelt, als würden wir in einem voll ausgebuchten Hotel nach einem Zimmer fragen.

27.10.2014, 20:49 Eine Schwester im Giants-Shirt führt mich in ein 3×3 Meter Untersuchungszimmer. Abdellah geht parken, und ich finde, er sollte mich nicht allein lassen. Die Giants-Schwester gibt mir ein schickes Nachthemd und einer Art Thrombose-Strumpf, den ich über den Bauch ziehen soll. Daran will sie einen Wehenschreiber befestigen. Sie will noch einiges mehr, aber ich verstehe die Abkürzungen, die sie verwendet nicht. Sehr gerne misst sie den Blutdruck. Das macht sie alle 15 Minuten den ganzen Abend lang. Dann geht sie, um die Ärzte zu holen, wie sie sagt. Ich ziehe schnell den unerträglich engen Schlauch aus. Ich brauche keinen Wehenschreiber und hoffe, dass mein Mann zurück ist, bevor das Baby kommt.

27.10.2014, 20:55 Mein Mann ist da, und ich habe inzwischen eine relativ angenehme Position für Wehen gefunden: ähnlich wie Windsurfen: Ich halte mich am Griff eines Medizinschrankes fest, und lehne mich möglichst locker zurück. Angenehm ist übertrieben, der Gedanke an die PDA hält mich aufrecht. Inzwischen sind auch zwei Hebammen gekommen, die ich für Ärzte halte, übrigens während der gesamten Geburt. Mann und Frau, interessanter Weise. Sie machen keinen Ultraschall, sondern ertasten die Lage von Chloe’s Köpfchen. „Ich habe das Gefühl, ich müsste nur pressen, und schon ist sie da“ sage ich. Das können die beiden verstehen. Der Kopf ist weit unten, der Muttermund geöffnet. Ob ich noch eine PDA wolle? Unbedingt! sagte ich. Eigentlich wollte ich auch einen Darmeinlauf, damit es eine saubere Geburt wird, aber der war nicht im Angebot. Die Giants-Schwester zieht los, um den Narkosearzt zu holen.

27.10.2014, 20:57 Der Narkosearzt ist nicht verfügbar. Aber es sei ja sowieso nicht mehr lange, und Lachgas wäre auch sehr wirksam, sagt mir die Hebamme, die ich für eine Ärztin halte.

27.10.2014, 20:58 Auf in den Kreissaal! Die Giants-Schwester schiebt mein Bett vor eine geschlossene Tür, leider hat sie keinen Schlüssel. Aber das ist kein Problem, wir können außen herum gehen. Eine Kollegin, die gerade vorbei kommt, hilft ihr schieben, und was für ein Glück, die zweite Tür ist auf!

27.10.2014, 21:00 Der Kreissaal hat bis auf den Namen keine Ähnlichkeiten mit dem, was ich bei der Krankenhaustour gesehen habe. Ein großer, kalter Raum, die Fenster sind mit einer Folie beklebt, so dass man nicht herausschauen kann, grelles Neonlicht. „Wo sind die Kopfhauben? Wir haben keine Kopfhauben mehr!“ ruft die Giants-Schwester.

27.10.2014, 20:02 Nur der Gedanke an das Lachgas hält mich aufrecht. Ich probiere es. Bin aber überhaupt nicht sicher, ob es irgendwie wirkt. „Soll ich pressen?“frage ich die Hebammen-Ärzte. Sie stimmen zu. Im Raum begrüßt sich verschiedenstes Personal, erkundigt sich nach dem gegenseitigem Wohlbefinden und den Erwartungen bezüglich des morgigen sportlichen Großereignisses.

27.10.2014, 20:05 Ich starre in die Neonlichter, und stelle fest, dass ich von Idioten umgeben bin und die Geburt allein machen muss. Zum Glück habe ich eine sehr gute Vorbereitung, ein pränatales Yogavideo von Gurmukh. Ich habe es so oft gemacht, dass ich es auswendig kann. Ich höre ihre ruhige Stimme in meinem Kopf „there is nothing wrong with contractions“ und atme zu dem Worten „Satnam“. Ich spüre, wie Chloe weiter nach unten rutscht. Es tut ganz schön weh, aber man kann wirklich mit atmen etwas erreichen.

27.10.2014, 20:24 Ich spüre etwas festes und presse mehr, jetzt ist die Fruchtwasserblase geplatzt. Dafür bekomme ich, also meine untere Hälfte, etwas Aufmerksamkeit. Anscheinend ist das Wasser verfärbt, erklärt mir mein Mann, naja, das hatten wir bei Claire auch schon.

27.10.2014, 20:30 Ab und zu bekomme ich wertvolle Ratschläge: ich solle atmen und pressen. Ich glaube, ich kann sie jetzt rauspressen, sage ich. Dann versuchen wir es doch! Stimmt mir die Hebammen-Ärztin zu.

27.10.2014, 20:33 Chloe ist da. Ich konnte alles sehen. Es ging viel einfacher als gedacht, ohne Dammschnitt etc. Mein kleines Mädchen wird kurz abgewischt, dann bekomme ich sie. Ich bin überglücklich, aber ich finde es zu kalt für Chloe. Sie wird schon wieder weggenommen für die erste Untersuchung am anderen Ende des Raumes. Ich bitte meinen Mann, nachschauen zu gehen, mir kommt hier alles ein bisschen seltsam vor. Jetzt freue ich mich auf ein gemütliches Bett mit meinem Mann und Chloe: Bonding time!

Gerade angekommen!

Gerade angekommen!

27.10.2014, 20:45 Nix mit Bonding time! Wir sollen noch 2-3 Stunden im kalten Kreissaal bleiben, damit die Giants-Schwester alle 15 Minuten Blutdruck und Puls messen kann. Die Prozedur ist recht aufwendig, weil die Messgeräte nicht funktionieren. Sie stöpselt dann die Manschette um bis es passt.

27.10.2014, 22:00 Chloe reagiert auf ihre Umgebung und entleert Darm und Blase. Sie hatten ihre keine Windel angezogen, und die Spuren sind deutlich sichtbar und nass auf meinem Nachthemd. Ich bekomme kein frisches Nachthemd angeboten, auch die Notwendigkeit, Chloe sauber zu machen und anzuziehen wird nicht gesehen. Also bitte ich die Giants-Schwester.

27.10.2014, 22:15 Ich darf meinen Pyjama anziehen, denn es gibt hier nicht noch eines von diesen schicken Nachthemden. Chloe wird am anderen Ende des Raums fertig gemacht, Abdellah muss mit zur Aufsicht, und ich schlendere auch zu ihnen. Halt, Sie brauchen einen Rollstuhl! sagt die Giants-Schwester. Brauche ich nicht „Ist Ihnen nicht schwindelig?“ nein. „Gibt es hier eine Toilette?“ frage ich. Sie deutet auf eine Tür. Während ich meine Blase entleere klopft sie immer wieder, ob alles in Ordnung sei. Dann will sie wissen, wie viel Urin ich gelassen habe. 200 ml! ist meine spontane Schätzung, und sie ist zufrieden.

27.10.2014, 22:30 Chloe schreit wie am Spieß, während die Schwester sie puckt. Als sie endlich fertig ist fällt ihr ein, dass sie eine Fußfessel anlegen muss, wegen Chloe’s Sicherheit. Also macht sie alles wieder auf und legt die Fußfessel an. Chloe protestiert. Sie wird sich sowieso an nichts erinnern, sagt die Schwester. Aber ich, denke ich. Chloe’s Ausstattung vom Krankenhaus: eine Mütze, ein Body, der ihr drei Nummern zu groß ist, und eine Windel, in die sie gepuckt wird. Ich sorge dafür, dass es wenigstens drei Windeln werden, es ist sehr kalt.

27.10.2014, 22:40 Chloe hat die Fußfessel verloren, wir machen das Programm noch mal.

27.10.2014, 23:30 Wir erfahren, dass auf der Geburts-Etage kein Zimmer mehr frei ist (keines der schönen, die ich auf der Tour besichtigt habe), das sei aber kein Problem, wir könnten ein Zimmer auf der Neurologie haben. Chloe wird wieder ausgewickelt, und ihre Fußfessel abgenommen. Diese Sicherung funktioniert nur in der Geburtenabteilung. Ich solle mir aber keine Sorgen machen, wir bekämen einen Sicherheitsbeamten vor die Tür gesetzt. Ich will lieber gleich nach Hause, aber auch in den USA gibt es die Vorschrift, dass das Kind nach 24 Stunden wieder untersucht werden muss, außerdem müsse Temperatur und Puls stündlich kontrolliert werden. Wir bleiben, ich schätze, das ist die entspanntere Variante.

27.10.2014, 24:00 Wir haben das hässlichste Zimmer, das ich je gesehen habe. Ein langer Schlauch mit Neonbeleuchtung, keine Handtücher im Bad, die Hälfte der Lichter ist kaputt, ein großer Computer mit nervig beleuchtetem Bildschirm, in den die Schwestern den Befund eingeben, ein riesiger Fernsehbildschirm vor meinem Bett mit komplett verzerrten Bild. Ich darf Chloe nicht aus dem Zimmer tragen, nur in ihrem Bett transportieren. Das Bett ist eine Plastikwanne, deren Ecken schon abgesplittert sind, die auf einem Stahlgestell steht.

28.10.2014, 00:00 – 07:00 Wir sollen uns ausruhen, werden aber stündlich untersucht. Dafür haben wir eine sehr nette Schwester auf der Station, die sogar erklärt, was sie macht. Auf Anfrage bekomme ich Wasser, eine Tee- oder Kaffeeküche gibt es nicht. Ich komme mir vor wie bei einem Verhör, weil ich jede Stunde eine Fragebogen am Computer ausfüllen muss. Mein Schmerzpegel von 1-10, Krankheiten in meiner Familie, ob ich stark geblutet hätte, ob ich mir schon über Verhütung Gedanken gemacht hätte. Ich frage nach Windeln und Wickeltisch. Daraufhin bekomme ich ein paar Windeln und Wischtücher und den Hinweis, ich solle Chloe in ihrem Bettchen wickeln. Außerdem bekomme ich alle sechs Stunden eine Ibuprofen. Jedes Medikament, dass ich nehme, wird auf meinem Armband eingescannt, ich trage noch ein weiteres Armband auf dem „Allergy“ steht, nachdem ich angegeben hatte, ich hätte vermutlich eine Penicillin-Allergie. Auf Anfrage bekomme ich Handtücher. Ab und zu schauen Leute herein, um sich das Ergebnis der „German Efficiency“ anzuschauen.

28.10.2014, 09:00 Ich habe einen Mordshunger und hätte gern einen Kaffee. Automatisch bekomme ich gar nichts. Schließlich frage ich die Schwester. Sie entschuldigt sich und bringt mir ein paar Flyer von Lieferservices. Lieferzeit eine Stunde, da warte ich lieber auf Abdellah. Er kommt, berichtet, wie gut alles mit Claire geklappt hätte, auf die unsere Nachbarin über Nacht aufgepasst hatte. Ich freue mich, und dann kuscheln wir mit Chloe. Ich will entlassen werden, aber von wegen! Erst müssen die 24 Stunden um sein, frühestens ginge es also ab 22 Uhr, das sei aber nur schwer möglich. Also zwei Nächte im Krankenhaus. Niemand bietet mir an, in die Geburtsstation zu gehen, um dort zu stillen, zu wickeln oder die Küche zu benutzen. Erst durch einen Spaziergang mit Claire entdecke ich, dass es eine riesige Cafeteria im Krankenhaus gibt, so dass ich mich wunderbar versorgen kann.

28.10.2014, 11:30 Abdellah muss wieder los, mit Claire zum Kinderarzt, danach kommen die beiden zu mir und Chloe.

28.10.2014, 14:00 Abdellah und Claire bringen Sandwiches und Salat mit. Ich habe seit 24 Stunden nichts gegessen und bin begeistert! Claire findet ihre Schwester ganz toll, aber mein Bett viel interessanter, hier kann man so viele Knöpfe und Hebel drücken! Dann findet sie, es wird Zeit, dass ich mich um sie kümmere, in dem sie ganz bewusst Quatsch macht (wenn gar nichts klappt, beginnt sie sich sämtliche Sachen in den Mund zu stecken). Abdellah und ich tauschen Mädels – er schläft mir Chloe, Claire und ich spielen auf den Gängen fangen. Arme Mitpatienten der neurologischen Abteilung! Aber wir werden mit viel Wohlwollen betrachtet, trotz des Lärms. Die meisten Leute, denen wir begegnen, schauen das Giants-Spiel auf ihren Smartphones. Ich bin, was das betrifft, verstimmt – wie kann man ein bisschen Baseball spannender finden als meine Tochter!

28.10.2014, 20:00 Eine Schwester in der Ausbildung übt, Blut aus Chloe’s Ferse abzunehmen. Nur, dass sie mir nicht sagt, dass sie noch in der Ausbildung ist. Das erschließt sich mir erst, als sie eine andere Schwester zur Hilfe holt, weil sechs Blutstropfen offensichtlich nicht so leicht zu kriegen sind. Ich frage, was los ist und bekomme einen Flyer, dass es sich hierbei um einen kostenlosen Pflichttest für Kinder, die in Kalifornien geboren werden, handelt. Nur, wenn es gegen die Religion verstößt, kann man davon befreit werden. Ob ich kurz mal zu den Mormonen wechsle? Aber Chloe wurde ja schon gestochen.

29.10.2014 06:00 – 11:00 Wir bekommen diverse Impfempfehlungen: Röteln, Masern, Windpocken für mich, Grippe und Hepatitis B für Chloe. Gegen meinen Einwand immer das gleiche Argument: Aber das machen XZ Prozent aller Mütter! Wo soll meine kleine Tochter, deren Immunsystem primär meins ist, mit Hepatitis B in Berührung kommen?

Zusätzlich werde ich in Babyversorgung geschult, wieder ein Fragebogen. Was machen Sie, wenn ihr Kind schreit: a) schütteln b) ihm etwas vorsingen c) es sanft in den Armen wiegen. Bevor der Bogen nicht angekreuzt ist, dürfen wir nicht gehen.

29.10.2014 08:00 Uhr Der Financial Advisor des Krankenhauses bespricht mit mir, wie wir mit der Rechnung verfahren sollen. Da meine Krankenversicherung keine Adresse in den USA hat, muss alles über mich abgewickelt werden. Ich bin gespannt, was der Spaß kostet. Eigentlich kann es nicht teuer sein, wir haben während des kompletten Aufenthalts keinen Arzt gesehen, und selbst mein Bett wurde ausschließlich von mir aufgeschüttelt und gemacht.

29.10.2014 11:00 Uhr Chloe’s Autositz wird genau inspiziert, wenn er nicht gut geheißen wird, dürfen wir nicht mit ihr gehen. Mein Mann kann die Schwester schließlich überzeugen, weil wir versprechen, dass wir sofort einen neuen Autositz besorgen werden.

Ich bin überglücklich mit unserem kleinen Mädchen zu Hause. Die Erfahrung im Krankenhaus war einfach schlecht, und zwar nicht das medizinische Know-how, daran hatten wir zum Glück keinen Bedarf. Sondern die komplette Abwicklung und die Haltung uns gegenüber: wir waren wirklich nur „Wieder eine Geburt“ und man musste eben die Checkliste Geburt an uns abarbeiten. Wir hatten eine sehr nette Stationsschwester und ein gutes Gespräch mit einer Stillberaterin, aber wenn ich die Standards in München mit denen in San Francisco vergleiche, bin ich wirklich schockiert.

Geburtsvorbereitung in San Francisco: ein Live-Bericht

Ich schreibe gerade aus einer lustigen Situation heraus: Jeden Moment könnte unsere zweite Tochter andeuten, dass sie jetzt gerne das Licht der Welt erblicken möchte. Stattdessen übt sie Kickboxen im Kopfstand und scheint sich dabei prächtig zu amüsieren. Ich finde es dagegen inzwischen etwas sehr eng und kann kaum warten, sie kennenzulernen! Und ich bin gespannt, wie der Ablauf im Universitätskrankenhaus in San Francisco sein wird.

Bis jetzt war die medizinische Betreuung sehr anders als in Deutschland. Da man Arzttermine mit einem Call Center ausmacht statt mit einer Sprechstundenhilfe vor Ort, ist die Terminabsprache sehr mühsam und unflexibel. Während die Krankenversicherung DKV in Deutschland alle Türen öffnet, hat sie hier einen gegenteiligen Effekt. Wenn ich einen Termin brauche um zu wissen, ob mein Kind richtig liegt, bin ich nicht bereit, mich durch mehrphasige Telefonoptionen zu klicken, bis ich schließlich irgendwann in einer Sackgasse lande. Ich hatte deshalb schon beschlossen, unsere zweite Tochter als Hausgeburt zu bekommen. Aber mein Mann übernahm dann das Telefonkommando, und sobald wir den ersten Termin hatten, war ich begeistert.

Claire's Rucksack für die Daycare ist gepackt!

Claire’s Rucksack für die Daycare ist gepackt!

Die Klinik kann voll mit München (und ich würde sofort wieder dorthin gehen) mithalten – jetzt werde ich halt in den Golden Gate Park schauen statt in den Englischen Garten. Aber die Untersuchung läuft ganz anders ab: Zunächst misst eine Assistentin meinen Blutdruck und mein Gewicht, außerdem gebe ich Urin ab (die leichteste Übung der Welt in der Schwangerschaft).  Anschließend tastet die Ärztin meinen Bauch ab und kontrolliert die Herztöne des Kindes. Gynäkologische Stühle, wie ich sie aus Deutschland kenne, gibt es nicht. Möchte die Ärztin auch den vaginalen Bereich untersuchen, verschwindet sie zunächst aus dem Zimmer, damit ich mich entsprechend freimachen und in ein Laken hüllen kann. Dann greift sie vorsichtig unter das Laken, entschuldigt sich ununterbrochen und tastet, ohne einen Blick auf dieses offensichtlich sehr sensible Organ zu werfen, das sowieso unter dem Laken verborgen ist.

Während ich in Deutschland einen Termin nach dem anderen ans Herz gelegt bekommen habe, heißt es hier: Sie und ihr Kind sind kerngesund, bei Fragen oder Problemen können sie sich melden, ansonsten fahren Sie ins Krankenhaus, wenn Sie regelmäßige, schmerzhafte Wehen haben. Die habe ich immer noch nicht, und insofern Zeit zu schreiben.

Das Erstlingswerk von Claire

Ein Erstlingswerk von Claire

Insbesondere, da Claire den ganzen Tag über versorgt ist. Zum Glück bin ich restlos von ihrer Daycare begeistert. Sie wird von Fabiana, einer jungen Brasilianerin geleitet, die selber zwei Kinder hat, zwei Jahre und drei Monate alt, und zusätzlich noch sechs Kleinkinder aufnimmt, alle in Claire’s Alter. Dabei unterstützen sie zwei junge Frauen, so dass das Verhältnis Erzieherin: Kind 1:3 ist, also sehr luxuriös. Irgendetwas müssen sie sehr richtig machen, denn Claire zieht morgens ihren Rucksack an und wartet an der Tür, damit wir endlich in den Kindergarten gehen. Auch sonntags. Keine Sorge – sie freut sich auch sehr, wenn wir sie wieder abholen! Ich habe Fabiana gefragt, ob Claire bei ihnen im Notfall auch über Nacht bleiben kann, wenn ihre Schwester geboren wird, und Fabiana hat sofort zugesagt und Claire eingeladen. Genauso hat unsere Nachbarin reagiert, und ein guter Freund, den wir gefragt haben. Seitdem bin ich beruhigt, denn meine Horrorvorstellung mit geplatzter Fruchtblase und widerstrebender Claire ins Krankenhaus fahren zu müssen ist damit in weite Ferne gerückt. Ich bin sehr dankbar, dass wir auch in San Francisco so liebe Menschen gefunden haben, und bin gespannt, inwiefern die Großeltern in Deutschland und Marokko die Geburt via Skype miterleben werden. Wahrscheinlich sind wir aber voll damit beschäftigt, unsere Kleine Willkommen zu heißen und verschieben die Berichterstattung auf später.

 

 

 

Neues aus San Francisco

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Sommer in San Francisco: Paddelboarding

Sommer in San Francisco: Paddelboarding

Wir sind schon seit einem ganzen Monat wieder zurück, aus dem es viel zu berichten gibt: Was man machen muss, wenn man in Kalifornien heiraten will, eine Geburt in Kalifornien vorbereitet, welche Arten von Kinderversorgung es für Kleinkinder gibt und wie man sie findet, wie man arrangiert, dass sein Kleinkind versorgt ist, sollte man plötzlich Nachwuchs bekommen, keine Familie in einigermaßen erreichbarer Nähe haben, und Mann und Freunde fleißig bei der Arbeit sind…

Baby + Mama an Board

Baby + Mama on Board

Neben den organisatorischen Fragen haben wir es uns auch sehr gut gehen lassen, und den Sommer, den es doch auch in San Francisco gibt, nur eben nicht im Sommer, genossen: Auf dem Wakeboard, auf dem Paddelboard, beim Schwimmen oder einfach am Strand. Aber das war ja nur bei uns 3.5 privat, beziehungsweise mit zwei unserer absoluten Lieblingsgäste!

In San Francisco ist deutlich mehr los. Zunächst einmal sind die Hotelpreise auf durchschnittlich über 500 $ angestiegen, weil Oracle und Salesforce ihre Jahresmessen abhalten. Die Dimensionen, dieser Messen sind für mich aus Marketingsicht wirklich spannend, gekleckert wird da nicht. Der Besucherandrang verläuft sich nicht in der Stadt, spontane abendliche Restaurantbesuche sind eher schwierig (kein Problem für mich – Claire steht gerne um 6:00 Uhr morgens auf, und wenn ich mithalten will, gehe bin ich um zehn im Bett, so die traurige Wahrheit). Und zwischen den Messen gab es von 9.-13.Oktober ein weiteres Highlight: Die Fleet Week in San Francisco.

Fleet Week in San Francisco

Fleet Week in San Francisco

Ich hatte irgendwas von „Air Show“ gelesen und dachte, das wäre sicher nett für Claire, die Flugzeuge absolut faszinierend findet, ob am Himmel oder auf dem Boden. Vielleicht würden wir mal schauen…Ne, da hatten wir keinen Entscheidungsspielraum! Das Programm fand direkt über der Stadt statt, und deckte ein gutes Spektrum ab: Fallschirmspringer, Kunstflug und Kampfjets zeigten alle Shows, die meine Erwartungen übertrafen. Allerdings gab es kein entkommen, gerade bei den Kampfjets: Entweder nach oben schauen und staunen, wie tief sie fliegen, oder sich die Ohren zu halten und wundern, warum eine Stadt eine solche Lärmbelästigung zulässt.
Für die Leute in San Francisco bedeutet die Fleet Week, dass man mindestens einen Sixpack, am Besten auch noch etwas zum Grillen, besorgt und bei Freunden mit Dachterasse unterkommt.

Mein Aussichtslage zur Fleet Week

Meine Aussichtslage zur Fleet Week

Ein Picknick im Park wird auch gern gemacht, insbesondere in Chrissy Field und Marina Green, wo man die Chance hat, die Flugzeuge mit der Golden Gate Bridge im Hintergrund zu sehen und auf seinem Smartphone festzuhalten.

Claire's Flugshow

Claire’s Flugshow

Was ist ein Augenblick, wenn man ihn nicht teilen kann?! Aber zählt digital teilen wirklich? Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Menschen um mich herum das Hier und Jetzt verloren haben, weil sie immer ein Smartphone in der Hand haben. Das hat sich bei mir dank Claire gründlich geändert – wir entdecken die Welt zusammen! Nicht, dass wir der Technik abgeneigt wären, aber meistens haben wir einfach keine Zeit…

Ferien auf dem Bauernhof

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Ferien auf dem Bauernhof

Ferien auf dem Bauernhof

Schweigewochen im Kloster stehen auf Nummer eins meiner Liste mit Urlauben, die ich nie machen werde. Gefolgt von einem Verwöhn- und Wellnesswochenende inklusive Floating, Entspannung durch Bäder in Dingen, die dazu an sich nicht gemacht sind (Schokolade, Bergheu, Salzschlick, Naturmoor, etc.) und am Besten noch mit ayurvedischer Ernährung, die man sich nicht einmal schön trinken darf. Nummer drei: Ferien auf dem Bauernhof: zu viele Fliegen, zu wenig Action.

Sonnenuntergang am Starnberger See

Sonnenuntergang am Starnberger See

Punkt drei muss ich von der Liste streichen, denn meine Mutter hat letzte Woche für sich, mich und Claire vier Tage auf einem Bauernhof gebucht. Das Gute an der Sache: direkt am Starnberger See. Ich liebe diesen See: kaltes, klares Wasser, Zugspitzenblick und meistens ausgesprochen nette Menschen. Und obwohl die Natur perfekt ist, ist man nicht vom urbanen Leben abgeschnitten, nach München sind es nur ein paar Kilometer.

Tatsächlich war der unser Hof ein Traum, er lag einsam auf einem Hügel über dem See. In fünf Minuten konnte man durch Wiesen voller glücklicher Kühe zum See gehen. Ganz einfach ist es nicht, eine Stelle zum Baden zu finden, denn verschiedene Prominente haben sich Seegrundstücke gekauft und hermetisch abgeriegelt. Als ob sie noch interessant wären, wenn man statt nach ihnen Ausschau zu halten auch schwimmen gehen könnte. Zum Glück gibt der Fischmeister, traditionsreicher Biergarten und Heim des Schauspielers Josef Bierbichler, für seine Gäste Zugang zu einen Badestrand. Ich finde ohnehin, dass man von Biergärten gar nicht genug bekommen kann, sogar ganz ohne Bier! Claire und ich haben uns deshalb für Rhabarbersaftschorle und kneipen entschieden. Allerdings sind wir beide enttäuscht, dass wir nicht richtig schwimmen waren. Ich, weil meine Mutter nicht Babysitten wollte, Claire weil ihre Mutter 14 C Wassertemperatur für ungeeignet kalt hielt.

Ferien auf dem Lande

Ferien auf dem Lande

Aber wir haben angemessene Alternativen gefunden: Hunde liebt Claire sowieso, jetzt kennt sie auch Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen aus der Nähe. Ich glaube, für Claire sind alle Lebewesen faszinierend, Menschen inklusive: je mehr desto besser, sie freut sich einfach über Gesellschaft. Und auch da hatten wir Glück: Die alte Bäuerin, unsere Wirtin, war herzlich und nett. Und zwei ihrer Kinder lebten mit ihren Familien auf dem Hof und hatten wiederum Kinder – ein Fest für Claire!

Biergarten-Lovers

Biergarten-Lovers

Während essen gehen mit den meisten Kleinkindern eher schwierig ist, ist es das Größte für Claire. Weil sie noch nicht allein laufen kann, schnappt sie sich einen meiner Finger und geht in jedem Restaurant von Tisch zu Tisch, lacht, winkt und babbelt, bis sie jeden ausführlich gesehen hat – möglicherweise geht es ihr auch ums gesehen werden! Ganz besonders aufgeschlossen ist Claire gegenüber Männern, ich schätze, weil sie ihren Papa vermisst. Aber ich bin schon jetzt froh, dass ich mit meinem Freund abgemacht habe, dass er die Verantwortung übernimmt, wenn die Männer anfangen sich für Claire zu interessieren…

Wie sieht eine erfolgreiche Mama aus?

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Gerade hat mich eine ehemalige Kollegin auf eine Blogparade aufmerksam gemacht zum Thema „Wie sieht ein familienfreundlicher Arbeitgeber aus?“

Ich muss ein bisschen weiter ausholen, um eine Antwort geben zu können. Dabei geht es zunächst um eine neue Frage: welche Prioritäten setze ich als Mutter in meinem Leben? Und bevor ich loslege, entschuldige ich mich bei allen Vätern, die ich nicht berücksichtige. Ich freue mich immer, wenn ich höre, dass sich ein Vater für Elternzeit entscheidet – aber das kommt selten vor, und auch sonst ist mein männliches Umfeld kaum durch ihre Kinder bei der Arbeit eingeschränkt, die Mütter sind nämlich primär für die Versorgung der Kinder verantwortlich.

Ich liebe mein Home Office

Ich liebe mein Home Office

Ich war ungefähr zeitgleich mit Marissa Mayer schwanger. Sie hat, im 7.Monat schwanger, die Geschäftsführung von Yahoo übernommen. Mir kam das sehr seltsam vor. Denn sie hatte ein Spitzenkarriere bei Google hinter sich, nach der sie sich lebenslang keine Geldsorgen machen muss. Ich hatte angenommen, dass ihr Kind jetzt die spannendste Herausforderung der Welt für sie ist. Da hatte ich mich gründlich getäuscht. Yahoo wieder auf Erfolgskurs zu bringen, war ihr wichtiger.  Schon zwei Wochen nach der Geburt war sie zurück am Arbeitsplatz – Vollzeit natürlich. Ich bin sicher, Frau Mayer engagiert das beste Personal für ihr Kind, sie ist eine schöne Frau und hat eine beeindruckende Karriere – aber ich hätte meine kleine Tochter niemals aus der Hand gegeben, als sie zwei Wochen alt war (dem Papa schon, aber da war noch das Milchargument).

Durch das Leben in den USA bin ich mit dem Satz vertraut „ich gebe die Erziehung meiner Kinder in professionelle Hände und mache das, was ich gelernt habe“. Damit entschuldigen viele Mütter, dass sie nach 6 – 12 Wochen wieder zurück an ihren Arbeitsplatz gehen (müssen – es Elterngeld gibt es nur bei wenigen Arbeitgebern länger). Auch das wäre mir noch zu früh gewesen, aber als Claire sechs Monate alt war, wirkte sie nicht mehr so zerbrechlich, und ich habe mich oft nach meiner Arbeit gesehnt: nach Projekten, die meine Kreativität und meinen Geist fördern, nach Kollegen, die sich nicht mit irgendwelchen Babyfragen befassen, nach Erfolgen und auch danach, mein Leben in der Hand zu haben.

Vielleicht liegt das auch ein bisschen an dem Umfeld in San Francisco, aber ich fühle mich als Versagerin, wenn ich einfach nur zu Hause bleibe. Und finanzielle Abhängigkeit gefällt mir auch nicht. Da ich für die USA keine Arbeitsgenehmigung habe und die Kinderbetreuung mit rund 2000 USD nicht unbedingt ein Schnäppchen ist, habe ich mich für ein Leben als „Stay at home Mom“ entschieden bis zu Claires erstem Geburtstag. Den haben wir vor einem Monat gefeiert, und ich suche etwa seitdem fleißig nach Möglichkeiten, Beruf und Kind so zu vereinen, dass ich mit beiden glücklich bin. Der ganz große Arbeitseinstieg steht aber nicht bevor, denn unsere Familie wächst Ende Oktober weiter – schön für uns, „nicht schon wieder“ für viele Arbeitgeber.

Ich verstehe die Arbeitgeberseite, und ich arbeite lieber freiberuflich. Ich brauche keine Sicherheit, ich suche spannende, abwechslungsreiche Aufgaben! Aber ein absolut familienfreundlicher Arbeitgeber könnte mich für sich gewinnen, besonders wenn ich mit meiner Arbeit auch wirklich etwas bewirken kann.

Meine Idealvorstellung ist eine ganztägige Kinderbetreuung im Unternehmen. Dabei kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Betreuung primär durch einen Pool aus dort arbeitenden Eltern erfolgt: Jeder arbeitet 80 Prozent in seinem ursprünglichen Job und 20 Prozent als Kinderbetreuer. Natürlich unter der Leitung einer pädagogischen Fachkraft, die sich dem Kindergarten komplett widmet. Für mich als Mutter wäre es sehr schön zu wissen, dass ich gleich kommen kann, wenn irgendetwas mit meiner Tochter sein sollte.

Mit schulpflichtigen Kindern habe ich noch keine Erfahrung, aber ich glaube, dass es sehr hilfreich wäre, die Vormittage im Büro und die Nachmittage zu Hause verbringen zu können. Darüber hinaus wäre eine Ferienunterbringung durch das Unternehmen während der Schulferien hilfreich. Obwohl Familienfreundlichkeit für Unternehmen ein anerkannter Wert ist, glaube ich fast, dass ich meine Vorstellungen in einem eigenen Unternehmen umsetzen muss, wenn ich sie erleben will. Zudem gibt es noch ein anderes Problem: Unternehmen präsentieren sich flexibel, verständnisvoll, gewähren Home Office und Teilzeit. Aber ich habe schon oft erlebt, dass die Karriere nach der Elternzeit nicht so reibungslos weiterlief wie bisher. Plötzlich sollten sie Routineaufgaben erledigen, statt entscheidende Weichen zu stellen. Ich kann das verstehen: Die allermeisten Mütter können nicht uneingeschränkt Überstunden leisten, und ihr Ausfallrisiko ist höher. Ich glaube, dass sie diese Nachteile voll ausgleichen können: sie arbeiten strukturiert, wissen sehr genau ihre Zeit zu nutzen, Prioritäten zu setzen und sind sehr loyal zu ihrem Arbeitgeber, besonders wenn er ihnen das Gefühl eines sicheren Arbeitsplatzes vermittelt.

Außerdem passt der Wert „Familienfreundlichkeit“ sehr gut zu anderen Werten, für die so gut wie alle Unternehmen stehen: Work-Life-Balance, Gleichberechtigung, Diversity…

Kleinkind in Korb

Ein Monat lang ohne eine Meldung – das entspricht leider mal wieder nicht meinen Vorstellungen! Nach meiner letzten Selbsthilfelektüre „Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte“ sollte ich dringend an meiner Disziplin und Willenskraft arbeiten. Dazu hätte ich wirklich kein Buch lesen müssen. Nach dem Autor, auch Worlds Most Trusted Leadership Advisor genannt, sind mein Problem dabei die „Krankheit Ausrede“. Aber das ist keine Krankheit!

Wie soll ich denn ein Blog „Baby in San Francisco“ schreiben, wenn unsere Tochter 13 Monate alt ist (also gerade den Sprung zum Kleinkind geschafft hat) und wir den Sommer in Deutschland (ca. 9000 km von San Francisco entfernt) verbringen? Ich habe schon an eine Namensänderung gedacht, aber so richtig lohnt es sich nicht, denn wir werden wieder zurückfliegen, und dann dauert es nicht mehr lange, bis wir ein Baby in San Francisco haben. Außerdem braucht dieses Baby meine volle Konzentration hinsichtlich Namensfindung.
Kurz gesagt: babyinsanfrancis.co bleibt.

Wellness im Hotel Großmama

Wellness im Hotel Großmama

Wir sind jetzt seit vier Wochen in Deutschland, und natürlich vermisse ich San Francisco: am meisten meinen Freund, dann das Wetter und das Meer. Aber vor allem merke ich, wie sehr ich in Deutschland zu Hause bin: Auf den Spielplätzen sind Mütter mit ihren Kindern, mit denen ich mich gut verstehe, keine chinesischen oder mexikanischen Nannies, die auf ihrem Smartphone herum tippen.

Beim Vorgespräch im Kindergarten mit Claire entsprach der Kindergarten so genau meinen Vorstellungen, dass ich mich freuen würde, sie dorthin zu schicken. Das war in San Francisco ganz anders. Aus irgendeinem Grund legt man dort bereits ab 3 Monaten wert auf frühkindliche Bildung. ich wünsche mir für Claire einfach einen liebevollen Rahmen, in dem sie die Welt entdecken kann. Das Lösen irgendwelcher Aufgaben, das Erfüllen von Erwartungen und der Fokus auf Funktionieren kommt meiner Meinung nach früh genug.

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Skypen mit Claire’s Papa

Auch die ärztliche Betreuung rund um die Schwangerschaft ist mir in Deutschland wesentlich lieber. Ich kenne und verstehe den ganzen Ablauf, die Ärzte, den Abrechnungsmodus und freue mich einfach auf das Baby. In San Francisco versuche ich primär, mich unauffällig zu verhalten. Denn es geht kaum um das Baby, sondern um mögliche Vorsorgeuntersuchungen. Mir fehlt die eine oder andere Vokabel, vor allem aber das Verständnis für den Sinn. Für mich verursachen die Untersuchungen vor allem Kosten, denn außer einem Schwangerschaftsabbruch kann man nichts machen, egal welches Ergebnis man bekommt. Und ich bin inzwischen kostensensibel, wenn es um medizinische Versorgung in Kalifornien geht: meine erste Ultraschalluntersuchung (ohne Champagner, roten Teppich oder Livemusik) kostete etwa 2000,00$. Zugegeben, nach dem positiven Schwangerschaftstest hatte ich keinen guten Start mit der Suche nach einem geeigneten Arzt. Ich verbrachte rund eine halbe Stunde damit, einen Gynäkologen in San Francisco zu finden. Ich dachte „Gynecologist“ wäre das richtige Schlagwort. Dieser Arzt ist für alle Frauengeschichten außer Schwangerschaft und Geburt zuständig. Dieses Gebiet betreuen die Geburtshelfer, „Obstitritians“. Während ich diese interessante Aufteilung ermittelte, fühlte ich mich nicht besonders intelligent.

Das ist in Deutschland besser. Das allerbeste hier sind aber, für mich, die Menschen. Hier leben meine Lieblingsmenschen. Wir kennen uns schon ewig, vertrauen uns, verstehen uns, können miteinander über alles reden und über fast alles lachen. Und vor allem: ich kann auch sagen, was gerade nicht gut läuft, was ich in meinem Leben ändern will und wo ich nicht weiter weiß. Diese Themen wären in Kalifornien deplatziert, die Leute wüssten gar nicht, was sie sagen sollten. Meine Freunde in San Francisco sind alle sehr positiv, lieben ihren Job, hätten gerne mehr Zeit für Sport und Familie, verbringen ausschließlich wundervolle Wochenenden und kennen nur empfehlenswerte Restaurants und Filme. Daran ist überhaupt nichts auszusetzen, aber ich brauche noch ein paar Coachings von Robin Sharma, bis ich so weit bin. Mindestens.

 

 

Der beste Geburtstag, den Claire je hatte

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Claire’s erster Geburtstag! Wobei es genau genommen der zweite ist, denn ich kann mich noch sehr genau an den Tag erinnern, an dem sie geboren wurde, und das war der 26.April 2013.

Happy Birthday, Claire!

Halbes Gruppenbild mit Claire!

Wir haben Claire’s Schwimmklasse (fünft Kinder in Claire’s Alter, natürlich mit Eltern) eingeladen, und Claire’s Freundin Esmè, mit der wir so einer Art Sprachtandem machen, denn ihre Großmutter ist aus Karlsruhe, und ihre Mutter versucht sie auf deutsch zu erziehen – das ist gar nicht so einfach in einem englischsprachigem Umfeld, ich komme mir schon mit Claire manchmal seltsam vor, wenn ich ihr auf deutsch Monologe halte.

Leider konnte ich mich nicht erinnern, was man am ersten Kindergeburtstag so macht. Ich dachte zunächst an Spiele wie etwa Topfschlagen oder eine Schatzsuche, habe die Ideen dann aber verworfen, weil sich Claire meistens für irgendetwas interessiert, das mit dem jeweiligen Spiel nichts zu tun hat. Sie malt nicht mit Wachsmalfarben, sondern isst sie, und an Ostern hatte sie nicht das geringste Interesse an Eiern. Stattdessen rupfte sie Grashalme zwischen Pflastersteinen heraus.

Sandkastenfreunde: Kevin und Claire

Sandkastenfreunde: Kevin und Claire

Deshalb haben wir uns entschieden, Claire’s ersten Geburtstag mehr an den  Erwachsenen zu orientieren: eine nette kleine Geburtstagsbrunch-Grillparty in unserem Hof mit einem Riesenlaufstall für die Kinder und Claire’s gesamten Spielzeug.

Claire hatte beschlossen, keine Sekunde von ihrem Geburtstag zu verpassen und deshalb sowohl auf ihren Vormittags- als auch auf ihren Mittagsschlaf verzichtet. Immerhin ist sie jetzt ein großes Mädchen! Trotzdem war sie ein bisschen quengelig im Gegensatz zu ihren drei goldigen Gästen Kevin, Owen und Esmè. Die anderen Gäste waren nicht gekommen, ohne mit einem Wort auf die Einladung zu reagieren. Wahrscheinlich handelt es sich auch dabei um einen kulturellen Unterschied: coole Leute sind superbusy, und antworten nur auf Nachrichten höchster Priorität. Zudem fühlen sie sich grundsätzlich nicht an Zusagen gebunden, da selbstverständlich immer etwas dazwischen kommen kann. Besser immer alles offen lassen…

Owen schaukelt...

Owen schaukelt…

Unsere Kinder spielten fröhlich zusammen (Kekse und Spielzeug teilen funktionierte einwandfrei), während wir Erwachsenen ein Zeit hatten, uns über das erste Jahr mit Kind auszutauschen: Interessant, wie ähnlich manche Entwicklungen sind (Sprache, Musik, Schlaf), und wie unterschiedlich andere: manche Kinder kauen in dem Alter wie große und können folglich alles essen, andere setzen noch schwerpunktmäßig auf Muttermilch. Manche Kinder rennen herum, als sei das die selbstverständlichste Sache der Welt, andere kümmern sich überhaupt nicht darum und können gerade einmal sitzen. Unser aller Fazit: Die Geburt war ein wichtiger Meilenstein in unserm Leben – wir sind stolz und glücklich!

Ich habe nicht erwähnt, dass ich als Vollzeitmama sowohl gelangweilt als auch erschöpft bin – ich habe inzwischen gelernt, dass man in San Francisco nach kritischen Kommentaren seltsam angeschaut wird, so im Sinne von“was will diese Frau, und was soll ich darauf antworten?“.

Nach Schaukeln, Ballspielen und Seifenblasen war der kleine Owen bereit für seinen Mittagsschlaf und verabschiedete sich mit seinen Eltern. Wenig später schlief Kevin auf dem Arm seiner Mutter tief und fest ein. Claire wartete auf ihren Geburtstagskuchen (vegan und zuckerfrei) und war schlichtweg begeistert. Sogar Esmè, die lieber herumrennt als sich mit essen aufzuhalten, kam immer wieder zu ihrer Mama um sich noch ein kleines Stückchen abzuholen.

Hmmm - Geburtstagskuchen!

Hmmm – Geburtstagskuchen!

In unserem Hof gibt es nur bis 16 Uhr Sonne, danach wird es schnell kalt. Trotzdem haben es die letzten Gäste bis fünf Uhr ausgehalten – es war eine richtig nette kleine Feier. Claire weigerte sich nach wie vor zu schlafen. Sie schaute sich stattdessen ihre Geschenke an, gerade Bücher stehen hoch im Kurs. Besonders gut gefällt mir ein zweisprachiges Buch, dass ich Claire gleich zusammen mit ihrem Vater vorgelesen habe. Langsam könnte das erste richtige Wort kommen, und ich bin gespannt in welcher Sprache!

Bis kurz nach acht kostete Claire ihren Geburtstag aus, dann schlief sie sofort ein. Ich bin jetzt gespannt, ob ein ein Jahr großes Mädchen die ganze Nacht in seinem eigenen Bett schlafen kann…das wäre mal wieder ein Grund zum Feiern und unser Kühlschrank ist noch voll!

Letzte Woche im Schnee

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Bei 25 C und Sonne ist es ein bisschen eigenartig, über Snowboarden zu schreiben, aber ich versuche es, weil wir uns am 1.April spontan für einen Kurzskitrip entschieden haben.

Netter Blick von der Piste...

Netter Blick von der Piste…

Lake Tahoe ist das nächste Skigebiet von San Francisco aus, etwa drei Stunden Autofahrt entfernt. Ende März hatten wir ein paar heftige Regentage und mein Freund – für mich bei knapp 20 C in San Francisco ziemlich absurd – begann nur noch von Neuschnee und Powder zu sprechen.

Wellness-Baby

Wellness-Baby

Es ist einfach besser zu bedauern, was man getan hat! Wir nahmen uns also spontan zwei Tage unter der Woche frei und ein nettes Hotel in Squaw Valley, dem Austragungsort der Winterolympiade 1960.

Claire im Schnee

Die schwierigste Frage: Skifahren mit Baby?! Haben wir ganz einfach gelöst, indem wir uns einen Skipass und Spaß im Schnee mit Claire geteilt haben.

Skihasen

Skihasen

Ich musste mir noch Schuhe besorgen, deshalb begann mein Freund die Skisaison, und ich das Vergnügungsprogramm für Claire und mich: Winterwandern. Ich hatte mir im Internet eine gute Runde ausgesucht, jetzt musste ich nur noch Claire so viel anziehen, wie ich das bei -8 C für angemessen hielt (soviel wir möglich).

Weg mit der Brille!

Weg mit der Brille!

Und die Gondel finden, die uns zum Ausgangspunkt diverser Wanderungen, dem Highcamp, bringen sollte. Das war schnell geschafft. Die Gondel brachte uns auf rund 2700 Meter, ohne dass Claire sich beschwerte. Schön, dass die Probleme (Höhenkoller), die mir erst nicht eingefallen sind, dann auch nicht eingetroffen sind!

Oben am High Camp gab es eine Menge: Heißer Pool, Eislaufbahn, Bars, ein Olympiamuseum – aber keine Wanderwege. Da sowieso kaum Skifahrer unterwegs waren, probierten wir ein paar Schritte am Pistenrand.

Einfach fallen lassen!

Einfach fallen lassen!

Claire demonstrierte mir  anschaulich, dass sie sich mit Strumpfhosen, zwei Hosen plus Schneeanzug kaum bewegen konnte. Naja, dachte ich mir, wenigstens keine Erkältung. Als ich für sie einen Schneemann bauen wollte, zeigte sie überhaupt kein Interesse und zog stattdessen ihre Schneebrille ab, sobald sie eine freie Hand hatte. Schließlich fanden wir ein Spiel, dass uns beiden Spaß machte: ich habe sie einfach in den Schnee geworfen. Nach einer knappen Stunden haben wir die nächste Gondel nach unten genommen. Sobald wir im Hotel waren, hielten wir ein gemütliches Nickerchen, um uns von den zurückgelegten Höhenmetern zu erholen.

Schwangere Mutti auf Snowboard

Nach der Piste

Nach der Piste…

Plötzlich riss mich mein Freund aus dem Tiefschlaf, drückte mir seine Liftkarte in die Hand und wünschte viel Spaß. Was blieb mir anderes übrig! Endlich wieder ein Board unter den Füßen, nach fast zwei Jahren Abstinenz! Dazu noch ein neues, Neuschnee und kaum ein paar Menschen auf der Piste! Allerdings hatte ich – hoffentlich durch die Schwangerschaft – ein neues Risikobewusst sein gegenüber den Gefahren des Skisports entwickelt.

...geht's zum Après Ski!

…geht’s zum Après Ski!

Sehr sorgsam suchte ich die weitläufigen Pisten nach potenziellen Raudis ab,  machte einen großen Bogen um Fun Parks und Schanzen und wählte ein sehr familienfreundliches Tempo. Eigentlich war ich mir selbst peinlich, aber schön war’s.

Spaziergang mit Schwarzbär

Der zweite Skitag verlief ähnlich, außer dass meine Beine eine gewisse Müdigkeit signalisierten. Aber diesmal wollten wir statt Aprés Ski einen Spaziergang am Lake Tahoe machen. Nach 40 Minuten Autofahrt fand ich die Idee sehr mittelprächtig.

Wieso denn Zoo?

Wieso denn Zoo?

Deshalb zeigte ich auf den nächsten Parkplatz und schlug vor, jetzt endlich ein paar Schritte zu gehen. Zeitgleich hatte ein Schwarzbär (übrigens ein brauner) die selbe Idee, und zwar am selben Ort.

Mein Freund machte eine kleine Fotosafari und wagte sich bis auf fünf Meter an den Bären heran, ich dachte, er sei wahrscheinlich gerade wach geworden und sicher hungrig. Deshalb blieb ich mit Claire so nah an unserem Auto, dass wir auf jeden Fall schnell einsteigen konnten, bevor der Bär uns erreicht hatte.

Wenigstens noch ein Blick auf den Lake Tahoe!

Wenigstens noch ein Blick auf den Lake Tahoe!

Ich hätte nicht damit gerechnet, mal eben so einen Bären in freier Wildbahn zu treffen, dabei ist er immerhin auf der kalifornischen Flagge abgebildet!

Claire ist ein großer Befürworter von Zimmerservice

Claire ist ein großer Befürworter von Zimmerservice

Aber mir war die Hotelbar dann doch lieber als ein Abendspaziergang, insbesondere, da Claire es schafft, wirklich jeden Hotelgast so anzusprechen, dass er nett zurück lächelt.

Es muss ja nicht immer ein Marathon sein…

Heute wäre mein Freund fast den Golden Gate Headlands Marathon gelaufen. Sein einziges Problem: Bei der Strecke handelt es sich um einen Rundkurs, der zweimal gelaufen wird, und um einen sehr anspruchsvollen: über Sand, durch schmale Pfade, entweder steil bergauf oder bergab. Und nach der ersten Runde dachte er sich, dass eine Runde eigentlich reicht. Ich gebe ihm da völlig Recht, insbesondere, da er sich nicht vorbereitet hatte. Ich selbst habe sämtliche Marathonpläne für 2014 gestrichen, stattdessen bekommen wir ein neues Familienmitglied Anfang November.

Claire's erste Brückenüberquerung

Claire’s erste Brückenüberquerung

Trainieren ist für das arbeitende Elternteil gar nicht so einfach. Während ich mit Claire jeden Tag ausgiebig laufen oder spazieren gehen kann, kümmert sich mein Freund ums Geld verdienen. Wenn abends Feierabend ist, spielt er oft mit Claire, und ich habe eine Stunde für mich. Klingt luxuriös, heißt aber eigentlich nur Zeit, um als Marketing-Freelancerin zu arbeiten. Natürlich könnte man auch das Training priorisieren, aber zum Glück kommt Claire bei meinem Freund zuerst!

Claire untersucht das Modell der Brücke

Claire untersucht das Modell der Brücke

Während ich annahm, dass mein Freund vier bis fünf Stunden brauchen würde, machte ich mich mit Claire auf den Weg um zum Zieleinlauf zu wandern. Erstmal sind wir ganz bequem mit dem Bus zur Gold Gate Bridge gefahren, und das erstaunlicher Weise zum ersten Mal. Von unserer Haustür aus dauert das knapp 15 Minuten und kosten 2 $ – sollte man also öfter machen. Die Busse hier sind immer so billig, fahren tagsüber etwa alle fünf Minuten und halten in lächerlich kurzen Abständen, was die Fahrzeit sehr ausdehnt. Dafür sind es umweltfreundliche Elektrobusse.

Nachdem Claire den kompletten Bus unterhalten hatte, stand ihre erste komplette Überquerung der Brücke an. Im Vorfeld gab ich ihr noch eine kurze Einführung in die Konstruktion der Hängebrücke, die sie ganz interessant zu finden schien. Auf der Brücke schlief Claire unmittelbar ein, denn sie ist stark frequentiert und Claire finden Motorengeräusche einfach urgemütlich.

Topmodell

Topmodell

Kaum kamen wir von der lauten Brücke auf unseren wunderschönen Wanderpfad, den „Costal Trail“ zum Rodeo Beach, war Claire wach und bestens gelaunt. D.h. sie wedelte mit den Beinen und zeigte mir alles mögliche „dadadada!“.

Ich war auch begeistert, erstens von meiner Tochter, die über zwei Stunden zufrieden im Tragegurt war, dann von den schmalen Wegen, und schließlich von der Aussicht: links die Bay, rechts der Pazifik.

Auf dem Costal Trail...

Auf dem Costal Trail…

Dann bemerkte ich eine SMS meines Freundes, seine „Stimme der Weisheit“ habe ihm eingegeben, nach dem Halbmarathon aufzuhören. Sehr verantwortungsvoll, dachte ich mir. Und als ich zu so viel Einsicht gratulieren wollte fiel mir auf, dass ich keinen Netzempfang hatte. Die nächsten zwei Stunden verbrachten mein Freund und ich damit, uns ohne technische Kommunikationsmittel in der Natur über den Weg zu laufen. Rauchzeichen sind unter Umständen zuverlässiger, aber irgendwann hatten wir es geschafft. Auch wenn wir in der Zwischenzeit einen Wickelstopp einlegen mussten und Claire von dem Tragegurt auf meinen Arm gewechselt hatte (sicher ein gutes Training).

Was für ein Marathontag!

Was für ein Marathontag!

 

Zur Feier des Tages gingen wir wieder einmal zum Brunchen nach Sausalito, zu meinem Lieblingsrestaurant Salito’s. Dort kann man direkt am Wasser in der Sonne sitzen, San Francisco anschauen frischen Fisch und besonders Crab genießen und die Zeit vergessen. Sogar Claire macht mit. Erstens gibt es dort exzellentes selbst gebackenes Brot, zweitens ein Geländer, an dem man sich wunderbar entlang hangeln kann….

 

 

 

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