Liv(f)e aus San Francisco

Schlagwörter

, , , ,

Es ist noch zu früh, um etwas zu verraten, aber aus gewissen Gründen habe ich zur Zeit ein erhöhtes Schlafbedürfnis – und das heißt ich blogge nicht mehr, wenn Claire ihren Mittagsschlaf macht, sondern schlafe selber.

Dabei gibt es durchaus berichtenswerte Beobachtungen: Seitdem ich jeden Tag zwei Stunden mit Kind und Hund unterwegs bin, sehe ich die Freundlichkeit der Amerikaner anders: Der Hund bekommt die ganze Aufmerksamkeit „What a Cutie!“ oder noch besser „most adorable!“, dass ich zufällig noch ein Kind umgebunden habe, interessiert eigentlich nicht. Ich finde den Hund auch goldig, aber im Vergleich zu Claire… ganz falsche Prioritäten! Die Obdachlosen machen diesen Fehler nicht, sie scherzen mit Claire und mir, und wenn einer denn Hund erwähnt, dann nett „You are a beautiful family: a babe, a baby and a doggy“ oder „you have a devine combination, it can’t be more perfect, just like bacon and beans“.

Fashion for Claire

Fashion for Claire

Zum Trost für mich habe ich Claire ganz besonders süße Kindersachen gekauft, erst danach ist mir aufgefallen, dass die Preise durchaus Erwachsenenniveau hatten. Das letzte Mal, dass mir das passiert ist, war bei Schlichting in München, als ich Neugeborenensöckchen für 10,00 Euro gekauft habe. Angeblich sollten sie nicht von den Füßen rutschen, sind sie aber.

Zurück zu den Hunden: Die Leute in San Francisco mögen Hunde lieber als Kinder. Klar, so wird man bedingungslos geliebt und muss kaum Kompromisse machen. Jeden Freitagnachmittag treffen sich die Hundebesitzer unserer Nachbarschaft mit Wein und Kuchen im Park zu so einer Art Mutter-Kind-Gruppe. Unter der Woche gehen die Hundebesitzer arbeiten, und die Hunde kommen in eine Hundetagesstätte. Deshalb gibt es hier auch den Beruf Dogwalker. Dabei nimmt man etwa 20,00 $ pro Hund und Spaziergang und spaziert dann mit zehn Hunden. Das ist kein schlechter Stundensatz! Besonders clevere Dogwalker lassen sich auf ihrem Skateboard von den Hunden ziehen. Der Job hat nur eine Kehrseite: Wenn ein Hund sein Geschäft erledigt, muss man den Haufen sofort beseitigen.

Auf unseren Spaziergängen habe ich noch eine andere Erfahrung gemacht: Gesetzesbrüche. Und zwar zahlreiche, denn das Überqueren von Straßen ist für Fußgänger nur an markierten Stellen (Straßenkreuzungen) gestattet. Ich hielt das zunächst für einen Witz, es ist aber keiner. Wahrscheinlich eine Reaktion auf das mangelhafte Reaktionsvermögen der Autofahrer hier. Zwei Dinge muss man hier nämlich immer dabei haben, wenn man ins Stadtbild passen will: ein Getränk und ein Smartphone. Deshalb sind die Jogger und die Autofahrer hier sehr langsam.

Letztere könnten aber auch betrunken sein, denn Alkoholkontrollen sind verboten. Freie Bürger in ihren freien Fahrzeugen dürfen nicht angehalten und kontrolliert werden, wenn dazu kein konkreter Grund vorliegt. Weniger frei sind die Bürger, wenn es um den Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum geht. Zwar darf jeder draußen trinken, aber die geöffnete Flasche muss verdeckt sein, deshalb überall die schicken Papiertüten. Anderen Falls liegt das Busgeld bei 200,00 $. Ich sehe keinen Sinn darin. Vielleicht ist es Kunst, Christo?

Werbeanzeigen

Claire’s Lieblingsessen

Schlagwörter

, , , ,

Claire's Lieblingsbar; für sie gibt es hier eine Foccacia-Flat

Ich kenne kein Baby, dass so gerne isst wie unsere kleine Tochter.

Morgens und abends bekommt sie eine Flasche mit rund 200 ml Babymilch – und jedes Mal habe wir eine Tragödie, wenn die Flasche leer ist: markerschütterndes Geschrei, das nach einer existentiellen Bedrohung klingt. Dann eine letzte Überprüfung, ob die Flasche wirklich leer ist. Und wenn sich das Ergebnis bestätigt, schmeißt sie die Flasche in die Ecke.

Zwischenzeitlich habe ich überlegt, ob hier dringender Erziehungsbedarf besteht, aber dann ist mir eingefallen, dass sie ja nicht einfach sagen kann „Danke Mama, die Milch hat sehr gut geschmeckt, aber was gibt’s jetzt als Hauptmahlzeit?“.

Noch ein Stück Brot?

Noch ein Stück Brot?

Übrigens ist es nicht so, dass Claire eine besondere Vorliebe für Milch hätte. Sie mag eigentlich alles, bis auf Kartoffeln und Tofu. Ihre große Liebe gilt dem Brot. Angefangen hat es in Deutschland, sonst wäre es etwas seltsam, denn in San Francisco bekommt man wirklich alles, abgesehen von ordentlichem Brot (und medizinischer Fußpflege). Baguette und Foccacia gibt es schon, alles andere ist weich und süß. Fairer Weise muss ich erwähnen, dass es im World Market manchmal auch in Deutschland produziertes und abgepacktes Pumpernickel zu kaufen gibt. Aber das weder frisch noch meine Lieblingssorte.

Claire ist toleranter als ich. Für sie ist alles an Brot wesentlich besser als die Gemüsebreis, die ich ihr normalerweise gebe. Das wäre kein Problem, hätte ich nicht irgendwo gehört, es sei wichtig, dass Kinder von Anfang an Essen auch als gesellschaftliches Ritual erleben. Deshalb bemühe ich mich, dass unsere Familie, oder wenigstens Claire und ich, mittags zusammen essen: Gemüsebrei für Claire; Suppe und Salat für meinen Freund und mich.

Bis Claire ihre große Liebe entdeckt hat, konnten wir dazu Foccacia, Bagels oder Toast genießen. Jetzt können wir das nur noch, wenn wir teilen. Sobald das Brot auf dem Tisch steht, ist Schluss mit Brei: Claire presst ihre Lippen fest zusammen, wenn ich ihr einen Löffel mit Brei gebe. Isst sie selber schmeißt ihre Frucht- und Gemüsestückchen einfach auf den Boden: Platz machen für das gute Brot. Wir essen also mittags kein Brot mehr.

Gute Idee!

Gute Idee!

Insgesamt profitieren wir von Claire’s Vorliebe: wir können gemütlich essen gehen oder stundenlang mit Freunden und Familie zusammensitzen, solange Claire mit Brotrinden versorgt ist. Erstaunlicherweise hat sie noch nie genug gehabt.

Wenn ich an den Bauch eines zehn Monate alten Babys denke, müsste dieser doch nach zwei Scheiben Toast komplett voll sein. Claire hat irgendwo versteckte Kapazitäten, da geht immer noch was!

Gestern hatte Claire gerade eine ganze Banane bekommen, bevor wir zum Einkaufen gegangen sind. Im Supermarkt gab es eine Promotion für Hamburger, und mein Freund und ich haben getestet. Das war leichtsinnig! Claire fing sofort an, wie am Spieß zu schreien, und mir blieb nichts anderes übrig als durch die Gänge zu rennen, auf der Suche nach Ablenkung. Zum Glück fanden wir eine Promotion für Toastbrot fand. Unser Tag war gerettet!

Hundebesuch

Schlagwörter

, ,

Endlich jemand zum Spielen...

Eigentlich wollte ich schon immer einen Hund haben. Eigentlich. Denn ich hatte keine Lust, abends nicht mehr ausgehen zu können und meinen Urlaub um den Hund herum zu planen. Aber mit Claire leben wir ohnehin hundkompartibel. Ich habe immer noch keine Lust auf die Einschränkungen, aber für unser kleines Mädchen würde ich jederzeit und gerne auf noch viel mehr verzichten!

Als wir bei ihren Großeltern in Marokko waren, hat sie ihre Vorliebe für Hunde entdeckt. Egal warum Claire unzufrieden war, sobald ich sie zu den Wachhunden brachte, war sie still und zufrieden, streckte die Arme nach den ziemlich ungepflegten Hunden aus, und strahlte.

Wieder in San Francisco begann Claire auf unseren Spaziergängen nach jedem Hund die Arme auszustrecken. Sie hat überhaupt keine Angst und ist von den Tieren einfach fasziniert. Wie wäre ein Hund für uns? Vielleicht nicht ganz so perfekt, bevor ich weiß, wie es mit mir und Arbeit weiter geht…

Während ich mir so meine Gedanken machte, zog die Exfrau meines Freundes zurück nach San Francisco, und das mit einem goldigen Mini-Schnauzer. Mein Freund fragte, ob ich etwas dagegen hätte, wenn wir den Hund tagsüber nehmen, sie muss natürlich, wie so ziemlich jeder außer mir, arbeiten.

Coco und Claire (v.l.)

Coco und Claire (v.l.)

Seit Montag sind wir so einer Art Patchwork-Familie. Coco gehorcht aufs Wort und ist für Claire das faszinierendste Wesen auf der Welt. Während sie allein auf ihrer Spieldecke unzufrieden ist, ist sie mit Coco als Kameradin glücklich. Und ich habe wieder einmal ein paar Minuten mehr Zeit! Wenn Claire weint, muss ich nur nach Coco rufen, sie kommt sofort angerannt, und Claire strahlt. Vielleicht bringt ihr der kleine Hund sogar Laufen oder Krabbeln bei. Bislang interessiert sie sich nicht für Fortbewegung. Aber wenn Coco genug von Claire’s Gebabbel und Betatsche hat, geht sie einfach. Und Claire möchte natürlich hinterher…

Während ich schreibe, habe ich einen der gemütlichsten Morgen der Welt: Coco hat sich auf meinem Schoß zusammengerollt, Claire sitzt dafür und blättert in ihren Büchern. Der Regen prasselt an die Fensterscheiben.

Nur eine neue Herausforderung habe ich heute mit dem Hund: In Kalifornien sind Hunde in Lebensmittelgeschäften verboten, und wir haben einen leeren Kühlschrank. Wahrscheinlich muss Coco eine Stunde allein zu Hause bleiben, ich bin gespannt ob sie sich dann auch so vorbildlich benimmt!

Ankommen…

Schlagwörter

, , ,

Seit ein paar Tagen sind wir wieder zurück in San Francisco nach drei Wochen Rundreise Deutschland und Marokko: Stuttgart-Rabat-Düsseldorf-Frankfurt.

Erst an den Strand (Aquantic Park), dann auspacken!

War das Reisen mit einem rund neun Monate alten Baby ein Problem? Überhaupt nicht! Gut, Claire hat ein paar Stunden auf dem Hinflug protestiert. Dafür war aber die Zeitumstellung kein Problem, sie hat sogar besser geschlafen als sonst, sowohl mit uns in verschiedenen Betten als auch in verschiedenen Reisebetten. Und weder das Wasser noch die Lebensmittel in Marokko haben ihr irgendetwas ausgemacht. Besonders letztere hat sie genossen!

Essen bei Mama ist nicht wie bei den Großmamas...

Essen bei Mama ist nicht wie bei den Großmamas…

Wieder zuhause ist Schluss mit der Dauerschlemmerei für Claire, durch die wir mit verschiedensten Freunden und Familie ausgedehnte Mahlzeiten genießen konnten. Das scheint sie aber ganz richtig zu finden. Sie protestiert nicht, obwohl es jetzt wieder weniger gibt. Trotzdem hat Essen nach wie vor einen hohen Stellenwert; wenn Claire auf der Straße sieht, wie jemand isst, streckt sie gleich die Arme aus – ich auch!

Links der Coit Tower, rechts der Tower of Americas

Links der Coit Tower, rechts der Tower of Americas

Unser Einleben ist ruhig. Mein Freund arbeitet 14 Stunden Tage, Claire und ich schlagen uns mit einer ordentlichen Erkältung herum, die ihr aber nicht die Laune verdirbt. Nur das Schlafen wird fast stündlich unterbrochen. Sie hat ein spezielles Einschlafritual entwickelt, mit dem sich diese Unterbrechungen schnell überbrückt: wir legen nebeneinander und schauen uns an, sie auf der rechten, ich auf der linken Wange, so nah beieinander, dass sich unsere Gesichter fast berühren.

gleich geschafft!

gleich geschafft!

Dann pikest sie mir mit ihrer linken Hand abwechselnd ins Auge, in die Nase und den Mund. Für mich ist das nicht sehr angenehm, für Claire Entspannung pur.

Auf dem Weg zum Americas Tower

Auf dem Weg zum Americas Tower

Tagsüber erobern wir die Stadt zurück. Angekommen sind Claire und ich gleich zum Aquantic Park gegangen, wir hatten Nachholbedarf in Sachen Sonne und Strand. Dafür müssen wir vielleicht 300 Meter zurücklegen. Dann sind wir Richtung Stadt gegangen und waren genau zum Sonnenuntergang am Coit Tower – leider war dann mein Akku leer. Zum Glück findet Claire unsere Spaziergänge im Tragegurt nach wie vor klasse. Ich muss nur mit dem Gurt ins Zimmer kommen, schon strahlt sie. Klar, für sie heißt das minimaler Aufwand, maximale Aussicht!

ein Angebot besser als das nächste!

ein Angebot besser als das nächste!

Wenn man unsere Reisen abzieht, sind wir erst sechs Monate hier. Mir hat der Abflug in Frankfurt schon ein bisschen leid getan; es war so schön, die ganzen Freunde und Familie in der Nähe zu haben, auch wenn wir natürlich nicht alle sehen konnten. Aber bei der Ankunft habe ich zu meiner Überraschung festgestellt, dass wir auch in San Francisco zuhause sind.

Tower of Americas

Tower of Americas

Das ist sehr gut so, denn während mein Freund und Claire ganz entspannt sind, fühle ich mich nach unserer Reise mindestens urlaubsreif. Vielleicht liegt es am 24/7 Bereitschaftsdienst als Mutter? Ich weiß ja, dass viele Mütter das problemlos können, aber für mich ist es gerade schwer. Ich werde mich in den nächsten Tagen nach einer Halbtagskinderbetreuung umschauen und bin gespannt, ob die freiere Marktwirtschaft hier auch Qualität zu halbwegs vertretbaren Preisen bietet…

Cosmopolitan Baby

Schlagwörter

, ,

Claire’s Vater sagt, er sei halb Marokkaner, halb Franzose und halb Amerikaner. Seine Eltern sind aber ganze Marokkaner und leben in Rabat. Deshalb verbringen wir gerade eine Woche dort, wie sich das gehört. Manche Leute machen Urlaub im Schweigekloster, ich habe hier ganz ähnliche Ferien, denn ich spreche kein arabisch und nicht genug französisch, um mich unterhalten zu können. Das ist aber überhaupt kein Problem, denn hier geht es um Claire und ihren Vater. Ich muss nur physikalisch anwesend sein, damit das Bild komplett ist.

20140210-212854.jpg

Claire trifft hier ihren kleinen Cousin Elias, er ist zwei Monate jünger als sie, und die beiden verstehen sich auf Anhieb. Als Mütter sind Claire’s Tante und ich ziemlich ähnlich, wobei sie ihren Sohn nie bei 20 C ohne Mütze nach draußen lassen würde, und ich nie auf die Idee gekommen wäre, mein Baby im Autositz nicht anzuschnallen.
Claire’s Tante hat eine Apotheke, und weil ich nichts besseres zu tun habe, passe ich einen Vormittag auf die beiden auf. Inklusive Spaziergang mit Claire im Tragegurt und Elias im Kinderwagen, was nicht zu verachten ist, weil es kaum brauchbare Bürgersteige gibt. Nach einem Spielplatzbesuch habe ich den Wunsch nach einem Geschwisterchen für Claire auf unbestimmte Zeit verschoben: Wir saßen friedlich zusammen im Sand, als Claire zu weinen anfing und Elias kopfüber in den Sand kippte: das ganze Gesicht inklusive Auge war voll Sand, Claire schrie natürlich immer noch. Diagnose: eine volle Windel und einen Fall für die Badewanne. Nur durch die Hilfe meines Freundes sah Elias wieder halbwegs sauber aus, als seine Mutter nach Hause kam.

Claire und ich verdrücken uns jeden Tag für einen langen Spaziergang und entdecken die Stadt. Rabat mit Baby ist interessant, weil alle Leute sehr nett zu uns sind. Fremde Menschen auf dem Weg küssen sie, noch bevor ich dazwischen gehen kann, verschiedene Leute weisen mich darauf hin, dass sie nicht warm genug gekleidet ist, denn es ist Winter. Für mich nicht bei 20 C.

Wir beobachten den Verkehr. Der kategorische Imperativ gilt hier offensichtlich nicht und man fährt mit der Hupe so, wie man in Deutschland sein Licht anmacht. Verkehrsregeln spielen eine völlig untergeordnete Rolle, allerdings sorgt der Freiraum nicht für Freiheit, sondern für zähflüssigen Verkehr. Ich habe noch nie so flexible Fahrer gesehen, als Claires Großvater die Gegenspur benützte, wichen ihm die entgegen kommenden Fahrzeuge einfach aus.

Zu Hause bei Claires Großeltern geht es, wie so oft bei viel Familie, um Essen. Claires Großmutter kocht rund um die Uhr. Die Küche ist etwa auf dem Stand der 60er Jahre. Nicht etwa, weil das in Marokko so ist, sondern weil Neuanschaffungen mit einem Mann wie Claire’s Großvater mit so viel Ärger verbunden sind, dass man sie lieber lässt. Inschallah.

Wir hätten jederzeit Essen für zehn weitere Gäste. Gegessen wird trotz strahlendem Sonnenschein drinnen im Halbdunkel. Es gibt keine Teller, sondern verschiedene Schüsseln stehen auf dem Tisch aus denen man sich von der Hand in den Mund bedient. Das ist logistisch ungünstig, der Tisch sieht bald aus wie ein Schlachtfeld. Und es ist kaum möglich, dem Speichel der Tischgenossen aus dem Weg zu gegen.
Sterilisieren bzw. schön trinken kann ich das Ganze auch nicht. Aber Claire fühlt sich wohl, sie isst ja sowieso am liebsten mit den Händen, das marokkanische Brot findet sie ausgezeichnet, und ihre Großmutter ist eine unerschöpfliche Quelle. Und durch ihren Vater ist sie schließlich auch hier zuhause.

Urlaub zu Hause

Schlagwörter

, , , , ,

Mein „Hotel Mama“ kann ich immer nur empfehlen: all inclusive, Service rund um die Uhr, Wellness…

Claire's Wellnessprogramm

Claire’s Wellnessprogramm

Es gibt einen Flughafen-Shuttle, mit meiner Mutter am Steuer und einem großen Brunchpaket – über Wasserknappheit in San Francisco hört man ja so einiges, meine Mutter fürchtete wohl es könne sich um eine generelle Lebensmittelknappheit handeln, die gerade auch das Catering der Fluggesellschaften betrifft.

Die Küche des Hotel Mama ist rund um die Uhr geöffnet und geht auf individuelle Wünsche, selbst der kleinsten Gäste, ein. Sollte ein Gericht nicht der vollen Zufriedenheit entsprechen, kann man den Teller einfach zurückgehen lassen und bekommt etwas anderes. Claire hat es mehrfach ausprobiert!

Was ist besser als ein Onkel? Zwei Onkel!

Was ist besser als ein Onkel? Zwei Onkel!

Auch der Wäscheservice hier im Hause ist großartig, schmutzige Wäsche liegt morgens frisch gewaschen und gefaltet vor dem Zimmer. Außerdem hat meine Mutter keine Mühe gescheut, um sich perfekt für Claire einzurichten: Stühlchen, Babybett, Laufstall, Kinderwagen, Schaukelpferd – mit Hilfe ihrer sehr netten Nachbarn und Freunde hat sie alles organisiert, was Claire sich wünschen könnte.

Wir lassen uns hier gerne verwöhnen und genießen die Dinge, die wir in San Franisco nicht haben. Dazu gehört an erster Stelle meine Familie. Claire’s Onkels haben extra ein langes Wochenende bei meinen Eltern verbracht um ihre Nichte zu treffen. Claire freut sich sehr über alle. Endlich was los und jeder kümmert sich um sie! Außerdem verwöhnt meine Mutter sie kulinarisch: sie muss weniger auf ihr Fläschchen warten und hat sogar schon Kuchen bekommen!

Mein Verwöhnprogramm...

Mein Verwöhnprogramm…

 

Für mein Wellness-Programm gehen wir zur Fußpflege. Leider gibt es in San Francisco kein vergleichbares Angebot: entweder man geht zur Pediküre und kann zwischen 299 Nagellacksorten auswählen, oder zum Arzt. Deshalb bin ich unglaublich froh, als unsere extrem nette Fußpflege meine Füße von jeder Menge Hornhaut befreit! Claire’s Wellness besteht in einem Schwimmbadbesuch mit Grander-Wasser. Letzteres belebt meine süße kleine Tochter, die im Wasser begeistert planscht und schwimmt, während sie an Land wenig Lust an Bewegung hat: Sie sitzt, wo sie sitzt oder steht wo sie eben steht und hat nicht das geringste Interesse an Fortbewegung, insbesondere nicht an Krabbeln. Ich bin schon richtig froh über den Witz „Meine Intelligenz hat sich schon früh gezeigt, ich konnte schon mit neuen Monaten laufen“ „Das nennst du intelligent? Ich habe mich noch mit zwei Jahren tragen lassen!“

Noch was Neues für Claire in Deutschland: die erste Zahnbürste

Noch was Neues für Claire in Deutschland: die erste Zahnbürste

Natürlich ist das auch praktisch, wir müssen das Haus nicht absichern und können uns in Ruhe um verschiedene Besucher kümmern: befreundete Nachbarn, meine Patentante, ein Onkel mit seiner Frau. Es ist wahnsinnig schön, diese Menschen, die man schon lange kennt und mag, wieder zu treffen. Das fehlt uns noch ein bisschen in San Francisco, aber ich arbeite daran… Und jetzt freue ich erstmal auf die lange Liste guter Freunde und Familie, die wir in den nächsten Tagen treffen werden!

Die alte Weisheit, Blut sei dicker als Wasser, überzeugt mich dabei nicht. Aber Aristoteles‘ Ansatz, dass eine tiefe Freundschaft erst mit der Zeit entsteht – eben wenn man gemeinsam den berühmten Scheffel Salz gegessen hat. Ein paar Scheffel habe ich schon geschafft!

9 Monate, 30.000 Meilen

Schlagwörter

, ,

Good Old Germany! Claire und ich sind wieder gut gelandet. Allerdings sind weniger gut geflogen, was nicht am Piloten, sondern an Claire lag. Und das, obwohl wir dank des Meilenkontos meines Freundes in der Business Class saßen.

Claire ist gut angekommen

Dabei begann alles sehr gut: Sicherheitskontrollen trotz Babyfläschchen problemlos durchlaufen, umfangreiches Handgepäck plus Claire in den Flieger geschafft, Sitz gefunden und zwar neben einem sehr nett aussehenden Herren. Wenn man ein lächelndes Baby um den Bauch gebunden hat, sind alle Leute ausgesprochen freundlich. Und so kamen wir schnell ins Gespräch: er berät rund um Geothermie. Das ist für die Länder entlang des Pazifischen Feuerrings eine günstige Energiequelle, aktuell hätte er deshalb viel in der Türkei zu tun. Interessant, dachte ich mir, während Claire die Fernbedienung auf ihr geschmackliches Potenzial überprüfte. Ich freue mich immer, wenn regnerative Energien tatsächlich vorangetrieben werden.

Der Start verlief relativ problemlos, obwohl Claire ihre Flasche entschieden zur Seite schlug, da sie aufgrund der langen Wartezeit verstimmt war. Dafür konnte sie das Abendessen wieder versöhnen: der Flugzeugkoch hatte mit Karotten- und Zucchinistäbchen genau ihren Geschmack getroffen. Leider reichte ihr die Menge nicht. Doch als die ersten Tränen flossen, reichte ihr der nette Herr auch noch sein Gemüse. Ein Angebot, dass sie nicht ausschlagen konnte…

Mit dieser Grundlage im Magen, dachte ich, könnte man hervorragend schlafen. Claire war da ganz anderer Meinung. Schließlich war es mitten am Tag, Zeit die Sonne zu genießen! Leider war das nicht möglich, denn das Flugzeug war abgedunkelt, damit die Reisenden schlafen konnten. Unser Umfeld konnte das allerdings nicht, denn Claire schrie vier Stunden lang wie am Spieß, es sei denn, ich ging mit ihr spazieren. Davon hielten die Flugbegleiterinnen wenig. Ich sollte am Platz bleiben, sie würden Claire herumtragen. Obwohl sämtliche Stewardessen ihr Glück versuchten, schrie Claire unbeeindruckt weiter. Was tun? Schlaftablette ins Fläschchen? Mir taten die armen Geschäftsreisenden leid.

erst anreisen, dann ausschlafen!

erst anreisen, dann ausschlafen!

Dann war Claire’s tatsächliche Schlafenszeit gekommen. Sie machte sich auf dem ganzen Sitz breit und schlief fest und zufrieden. Ich schaute mir, auf dem Sitzende zusammengekauert, an, wie beim Segeln unter Umständen weder Ausrüstung, noch Erfahrung oder Kompetenz weiter helfen. Unser Ende war weniger tragisch: Wir landeten sanft, sogar fast 30 Minuten früher als angegeben. Unser Abholservice in Form meiner Mutter mit einer Art Begrüßungsfrüchtekorb funktionierte perfekt: kaum hatten wir den Frankfurter Flughafen verlassen, schlief Claire schon wieder.

Langsam machte ich mir Sorgen um meine Nachtruhe: Irgendwann ist Claire ausgeschlafen, und ich wollte in dieser Nacht sehr gerne schlafen. Und das dürfte ich auch, und zwar mehr als ich zu träumen gewagt hätte: volle neun Stunden von  eins bis zehn Uhr morgens – dieses Mal sind wir ohne Jetlag durchgekommen.Wenigstens das!

Marathonpläne 2014

Schlagwörter

, , ,

Ich starte jedes Jahr mit neuen Vorsätzen. Mein Auswahlkriterium: was ich in diesem Jahr erleben möchte. Die Liste ist ziemlich lang, aber ein Punkt darauf ist ein Marathon: Endlich mal wieder ein klares Ziel, auf das ich hinarbeiten kann! Das Leben mit Baby ist auf der einen Seite wunderschön, auf der anderen Seite fehlen Erfolge, Anerkennung und Herausforderungen (die gibt es schon, aber eher an die Nerven, als an das körperliche oder intellektuelle Leistungsvermögen).

Der Grizzly Train Run...

Der Grizzly Train Run…

Außerdem will ich wissen, wie fit ich bin, und es macht Spaß mit Claire zu laufen. Den Babbyjogger merkt man kaum, solange der Belag glatt und die Strecke eben ist. Und bei Wind wird das Training gleich viel intensiver – was ja nicht unbedingt schlecht ist. Und Claire findet Spazieren gehen im Kinderwagen langweilig – entweder joggen, oder Tragegurt!

Es war überhaupt nicht schwer, einen passenden Marathon zu finden. Meine erste Wahl war der Big Sur Marathon, aber dort hätte ich nur noch starten können, wenn ich Geld für einen der Charity Partner gesammelt hätte. Wenn ich laufen will, müssen meine Freunde spenden? Das lasse ich nicht mit mir machen! Zum Glück habe ich eine gute Alternative gefunden: Grizzly Peak Trail Run.

Trainingsalternative: Treppensteigen mit Claire

Trainingsalternative: Treppensteigen mit Claire

Der Marathon findet am 5.April statt, fehlt also nur noch ein Trainingsplan. Ich habe im recherchiert, ob schon jemand einen Marathontrainingsplan an einen Babyjogger angepasst hat. Totale Marktlücke! Meine Suchergebnisse waren entsprechend skurril: Claudia, eine berufstätige Mutter, trainiert auf einen Marathon mit Sohn und Babyjogger. Das nennt sie dann „gemeinsam Zeit verbringen“. Aber wir laufen mit dem gleichen Modell „BOB Ironman“, und das läuft sich wirklich gut!

Erstaunlich die Reaktionen in einem Lauf-Forum, als sich ein Vater für den Rekord für Marathon mit Zwillingskinderwagen interessierte. Ich glaube, er wollte ihn brechen. Er bekam aber keine hilfreiche Antwort, sondern wurde schon allein für die Idee beschimpft, vermutlich stand inzwischen das Jugendamt vor der Tür. Dabei hatte der Mann erstaunlich gute Voraussetzungen: Seine Bestzeit ohne Kinder liegt bei 2:30, und seine Tochter ist drei Stunden lang vergnügt im Babyjogger.

Da können Claire und ich nicht mithalten! Ich bin noch nie unter 3 Stunden gelaufen, und wenn Claire eine Stunde lang im Jogger zufrieden ist, habe ich wirklich Glück. Meistens findet sie es eine halbe Stunde lang unterhaltsam, dann habe ich entweder ein schlafendes oder ein schreiendes Baby. Singen hilft manchmal, ist aber sehr anstrengend. Wenn es nicht hilft: Trainingsabbruch, bzw. –wechsel: dann kommen die Oberarme dran…

Trotzdem habe ich einen guten Trainingsplan gefunden. Ich halte mich an den Plan von Runner’s World für < 3:15. Alle Dauerläufe mache ich mit Claire, für schnelle Einheiten und lange Läufe – das heißt zweimal pro Woche für oder vier Stunden – brauche ich einen Babysitter. Zum Glück macht das mein Freund gerne. Und die Trainingseinheiten im Schwimmbad ersetze ich durch Treppensteigen mit Claire. Am 5.April werden wir sehen, ob es geklappt hat!

Mein Comeback 2014

Schlagwörter

, , ,

Was für eine Blogpause! Dabei habe ich den Vorsatz, mindestens einmal wöchentlich zu schreiben – irgendetwas passiert immer, wenn nicht von alleine, helfe ich eben nach.

Berichtenswertes gibt es genug – wir haben eine kleine Reise den Highway One hinter nach Norden gemacht bis hinauf nach Ford Bragg.

HEADLANDS - Abdellah mit Claire, ich am Fels

HEADLANDS – Abdellah mit Claire, ich am Fels

Die Landschaft ist gigantisch, ein bisschen Schwarzwald XXL, wegen der Redwoods, allerdings direkt am Ozean, manchmal Steppe à la Karl May. Wir haben sie die ersten kleinen Wanderungen mit Claire gemacht – etwa drei Stunden hält sie im Tragegurt durch, dann hilft kein Unterhaltunsprogramm mehr…am Besten, ich schreibe einen eigenen Beitrag über die Reise.

Pizza mit Papa

Pizza mit Papa

Claire ist jetzt achteinhalb Monate alt, und ist für mich gar kein richtiges Baby mehr. Wenn wir zu unserem Lieblingsitaliener gehen, isst sie ein Stück Pizza mit, inzwischen sogar mit Hilfe von zwei Zähnen. Aus einem Glas trinkt sie sowieso, am Liebsten aus Mamas. Und von meinem Teller. Trickreich wie ich bin, heißt das nicht, dass Claire Sushi bekommt, sondern dass Brokkoli-Stückchen auf meinem Teller landen. Schadet mir auch nicht…

So unkompliziert Claire beim Essen ist, so kompromisslos ist sie in anderen Bereichen: Socken und Mützen werden umgehend ausgezogen. Von morgens bis etwa vier Uhr nachmittags haben wir ein goldiges Mädchen, das jeden anlacht. Dann kommt der Mittagsschlaf, den sie grundsätzlich verweigert. Es muss sich um schlimme Albträume handeln, denn anschließend gibt es genau einen Platz an der Sonne: Mamas Arm.

Claire's erstes Bike

Claire’s erstes Bike

Alle Erziehunsmaßnahmen enden in wütendem Geschrei, bis sie nach etwa zwei Stunden genug hat und auch allein oder mit ihrem Papa zufrieden ist. Ich bin so weichlich, dass ich sie lieber trage. Mein Freund befürchtet nachhaltige Charakterschäden, aber ich glaube nicht, dass sie mir ihren Willen aufzwingt, sondern dass sie Geborgenheit braucht. Ob es das Zahnen ist -scheint wirklich weh zu tun- Verdauungsprobleme oder das Verarbeiten von Sinneseindrücken, ich glaube, dass sie schon ihren Grund hat. Und so lange dauert es auch nicht mehr, bis sie mir sagen kann, was los ist…

 

 

 

 

Der alljährliche Beschleuniger: Weihnachten

Schlagwörter

, , , ,

Mir ist absolut nicht klar, wie mir jedes Jahr zum Jahresende die Zeit ausgeht.

Schnell noch ein Weihnachtsschnappschuss

Schnell noch ein Weihnachtsschnappschuss

Heute ist es wieder passiert: Auf Claires Adventskalender (die Schokolade teilen uns ihr Vater und ich) steht die 23, und ich bin noch nicht so weit:
Unser Weihnachtsbaum ist weder geschmückt noch weiß ich genau, womit ich ihn schmücken werde. Ich weiß, dass ich eine Weihnachtswanderung machen möchte, allerdings noch nicht wo. Ich werde auch etwas besonderes kochen, allerdings weiß ich noch nicht was und habe eine leeren Kühlschrank (eine Rarität in den USA). Zum Glück brauchen wir keine Geschenke, denn ich bin schon mit der Weihnachtspost, die ich wirklich gern schreibe, voll ausgelastet. Natürlich verschicken wir keine Rundbrief mit den Schlagzeilen unseres Jahres, sondern persönliche Grüße. Es geht ja nicht um eine Bekanntmachung sondern um das persönliche Verhältnis…

Unsere Wohnung ist noch nicht weihnachtssauber. Und in den Bereichen, wo sie sauber ist, hat mein Freund geputzt. Was mache ich eigentlich den ganzen Tag?

Unser kleines Mädchen ist jetzt fast acht Monate alt, und das heißt sie kann sich auch mal mit sich selbst beschäftigen. Besonders, da sie gewisse Unterhaltungsmöglichkeiten hat. Sie kann sehr zufrieden auf einer Decke sitzen und ihr Spielzeug wahlweise von einer Hand in die andere geben, mit der Zunge inspizieren oder fallen lassen. Das macht sie aber nur, wenn ich in der Nähe bin, ansonsten gibt es ein Herz zerreißendes Geschrei.

Ein weiteres Problem: Claire sitzt und steht sehr gerne, kann sich aber weder hinsetzen noch hinstellen. Sie bemüht sich überhaupt nicht, sondern schreit so lange, bis ich ihr helfe. Leider kann ich das Geschrei nicht ertragen…Claire kann gut frei sitzen und stehen, solange sie sich festhält. Wenn ich nicht aufpasse, gibt es immer mal wieder einen lauten Plums aufs Parkett. Ihr armer Kopf!

Down-Selling?

Down-Selling?

Aus lauter Verzweiflung auf der Suche nach einer weichen Unterlage, die ich einfach nicht finden konnte, habe ich ihr ein Hundekörbchen gekauft. Sehr weich und kuschelig mit einem Kopfkissen in Knochenform und einer Bettdecke. Aus meiner Sicht ist der einzige Nachteil, dass es ein bisschen klein ist. Mein Freund findet, dass man für seine Tochter kein Hundekörbchen kauft.

Früher oder später meint Claire, es sei nun an der Zeit, von mir herumgetragen zu werden. Ein schönes Gefühl für mich: Ich halte sie im Arm, ihr Kopf an meiner Wange. Aber so wahnsinnig produktiv ist es nicht. Claire schätzt es sehr, auch gerne alle paar Stunden nachts. Und deshalb zeigt sie lautstarkes Durchsetzungesvermögen. Das spricht für Charakterstärke, oder?

Man könnte es aber auch so interpretieren, dass es eher das Resultat meiner Schwäche ist. Ich muss endlich mit der Erziehung beginnen, ihr zeigen, wo es langgeht: Nachts wird geschlafen, tagsüber gespielt, und wann gekuschelt wird, bestimme ich! In der Theorie finde ich den Ansatz ganz gut, aber…

Zusammengefasst: Was auch immer ich tue, ich könnte besser sein. Und sollte viel mehr schaffen. Ich versuche, mir keine Vorwürfe zu machen, sondern das Glück mit Claire zu genießen. Außerdem könnte man sagen, dass ich eine verantwortungsvolle Aufgabe habe: Ich bin so einer Art Fluglotse. Nur dass in meinem Fall kein Flugzeug, sonder Claire abstürzt, wenn ich nicht aufpasse.