Ich schreibe gerade aus einer lustigen Situation heraus: Jeden Moment könnte unsere zweite Tochter andeuten, dass sie jetzt gerne das Licht der Welt erblicken möchte. Stattdessen übt sie Kickboxen im Kopfstand und scheint sich dabei prächtig zu amüsieren. Ich finde es dagegen inzwischen etwas sehr eng und kann kaum warten, sie kennenzulernen! Und ich bin gespannt, wie der Ablauf im Universitätskrankenhaus in San Francisco sein wird.

Bis jetzt war die medizinische Betreuung sehr anders als in Deutschland. Da man Arzttermine mit einem Call Center ausmacht statt mit einer Sprechstundenhilfe vor Ort, ist die Terminabsprache sehr mühsam und unflexibel. Während die Krankenversicherung DKV in Deutschland alle Türen öffnet, hat sie hier einen gegenteiligen Effekt. Wenn ich einen Termin brauche um zu wissen, ob mein Kind richtig liegt, bin ich nicht bereit, mich durch mehrphasige Telefonoptionen zu klicken, bis ich schließlich irgendwann in einer Sackgasse lande. Ich hatte deshalb schon beschlossen, unsere zweite Tochter als Hausgeburt zu bekommen. Aber mein Mann übernahm dann das Telefonkommando, und sobald wir den ersten Termin hatten, war ich begeistert.

Claire's Rucksack für die Daycare ist gepackt!

Claire’s Rucksack für die Daycare ist gepackt!

Die Klinik kann voll mit München (und ich würde sofort wieder dorthin gehen) mithalten – jetzt werde ich halt in den Golden Gate Park schauen statt in den Englischen Garten. Aber die Untersuchung läuft ganz anders ab: Zunächst misst eine Assistentin meinen Blutdruck und mein Gewicht, außerdem gebe ich Urin ab (die leichteste Übung der Welt in der Schwangerschaft).  Anschließend tastet die Ärztin meinen Bauch ab und kontrolliert die Herztöne des Kindes. Gynäkologische Stühle, wie ich sie aus Deutschland kenne, gibt es nicht. Möchte die Ärztin auch den vaginalen Bereich untersuchen, verschwindet sie zunächst aus dem Zimmer, damit ich mich entsprechend freimachen und in ein Laken hüllen kann. Dann greift sie vorsichtig unter das Laken, entschuldigt sich ununterbrochen und tastet, ohne einen Blick auf dieses offensichtlich sehr sensible Organ zu werfen, das sowieso unter dem Laken verborgen ist.

Während ich in Deutschland einen Termin nach dem anderen ans Herz gelegt bekommen habe, heißt es hier: Sie und ihr Kind sind kerngesund, bei Fragen oder Problemen können sie sich melden, ansonsten fahren Sie ins Krankenhaus, wenn Sie regelmäßige, schmerzhafte Wehen haben. Die habe ich immer noch nicht, und insofern Zeit zu schreiben.

Das Erstlingswerk von Claire

Ein Erstlingswerk von Claire

Insbesondere, da Claire den ganzen Tag über versorgt ist. Zum Glück bin ich restlos von ihrer Daycare begeistert. Sie wird von Fabiana, einer jungen Brasilianerin geleitet, die selber zwei Kinder hat, zwei Jahre und drei Monate alt, und zusätzlich noch sechs Kleinkinder aufnimmt, alle in Claire’s Alter. Dabei unterstützen sie zwei junge Frauen, so dass das Verhältnis Erzieherin: Kind 1:3 ist, also sehr luxuriös. Irgendetwas müssen sie sehr richtig machen, denn Claire zieht morgens ihren Rucksack an und wartet an der Tür, damit wir endlich in den Kindergarten gehen. Auch sonntags. Keine Sorge – sie freut sich auch sehr, wenn wir sie wieder abholen! Ich habe Fabiana gefragt, ob Claire bei ihnen im Notfall auch über Nacht bleiben kann, wenn ihre Schwester geboren wird, und Fabiana hat sofort zugesagt und Claire eingeladen. Genauso hat unsere Nachbarin reagiert, und ein guter Freund, den wir gefragt haben. Seitdem bin ich beruhigt, denn meine Horrorvorstellung mit geplatzter Fruchtblase und widerstrebender Claire ins Krankenhaus fahren zu müssen ist damit in weite Ferne gerückt. Ich bin sehr dankbar, dass wir auch in San Francisco so liebe Menschen gefunden haben, und bin gespannt, inwiefern die Großeltern in Deutschland und Marokko die Geburt via Skype miterleben werden. Wahrscheinlich sind wir aber voll damit beschäftigt, unsere Kleine Willkommen zu heißen und verschieben die Berichterstattung auf später.

 

 

 

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