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Gerade hat mich eine ehemalige Kollegin auf eine Blogparade aufmerksam gemacht zum Thema „Wie sieht ein familienfreundlicher Arbeitgeber aus?“

Ich muss ein bisschen weiter ausholen, um eine Antwort geben zu können. Dabei geht es zunächst um eine neue Frage: welche Prioritäten setze ich als Mutter in meinem Leben? Und bevor ich loslege, entschuldige ich mich bei allen Vätern, die ich nicht berücksichtige. Ich freue mich immer, wenn ich höre, dass sich ein Vater für Elternzeit entscheidet – aber das kommt selten vor, und auch sonst ist mein männliches Umfeld kaum durch ihre Kinder bei der Arbeit eingeschränkt, die Mütter sind nämlich primär für die Versorgung der Kinder verantwortlich.

Ich liebe mein Home Office

Ich liebe mein Home Office

Ich war ungefähr zeitgleich mit Marissa Mayer schwanger. Sie hat, im 7.Monat schwanger, die Geschäftsführung von Yahoo übernommen. Mir kam das sehr seltsam vor. Denn sie hatte ein Spitzenkarriere bei Google hinter sich, nach der sie sich lebenslang keine Geldsorgen machen muss. Ich hatte angenommen, dass ihr Kind jetzt die spannendste Herausforderung der Welt für sie ist. Da hatte ich mich gründlich getäuscht. Yahoo wieder auf Erfolgskurs zu bringen, war ihr wichtiger.  Schon zwei Wochen nach der Geburt war sie zurück am Arbeitsplatz – Vollzeit natürlich. Ich bin sicher, Frau Mayer engagiert das beste Personal für ihr Kind, sie ist eine schöne Frau und hat eine beeindruckende Karriere – aber ich hätte meine kleine Tochter niemals aus der Hand gegeben, als sie zwei Wochen alt war (dem Papa schon, aber da war noch das Milchargument).

Durch das Leben in den USA bin ich mit dem Satz vertraut „ich gebe die Erziehung meiner Kinder in professionelle Hände und mache das, was ich gelernt habe“. Damit entschuldigen viele Mütter, dass sie nach 6 – 12 Wochen wieder zurück an ihren Arbeitsplatz gehen (müssen – es Elterngeld gibt es nur bei wenigen Arbeitgebern länger). Auch das wäre mir noch zu früh gewesen, aber als Claire sechs Monate alt war, wirkte sie nicht mehr so zerbrechlich, und ich habe mich oft nach meiner Arbeit gesehnt: nach Projekten, die meine Kreativität und meinen Geist fördern, nach Kollegen, die sich nicht mit irgendwelchen Babyfragen befassen, nach Erfolgen und auch danach, mein Leben in der Hand zu haben.

Vielleicht liegt das auch ein bisschen an dem Umfeld in San Francisco, aber ich fühle mich als Versagerin, wenn ich einfach nur zu Hause bleibe. Und finanzielle Abhängigkeit gefällt mir auch nicht. Da ich für die USA keine Arbeitsgenehmigung habe und die Kinderbetreuung mit rund 2000 USD nicht unbedingt ein Schnäppchen ist, habe ich mich für ein Leben als „Stay at home Mom“ entschieden bis zu Claires erstem Geburtstag. Den haben wir vor einem Monat gefeiert, und ich suche etwa seitdem fleißig nach Möglichkeiten, Beruf und Kind so zu vereinen, dass ich mit beiden glücklich bin. Der ganz große Arbeitseinstieg steht aber nicht bevor, denn unsere Familie wächst Ende Oktober weiter – schön für uns, „nicht schon wieder“ für viele Arbeitgeber.

Ich verstehe die Arbeitgeberseite, und ich arbeite lieber freiberuflich. Ich brauche keine Sicherheit, ich suche spannende, abwechslungsreiche Aufgaben! Aber ein absolut familienfreundlicher Arbeitgeber könnte mich für sich gewinnen, besonders wenn ich mit meiner Arbeit auch wirklich etwas bewirken kann.

Meine Idealvorstellung ist eine ganztägige Kinderbetreuung im Unternehmen. Dabei kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Betreuung primär durch einen Pool aus dort arbeitenden Eltern erfolgt: Jeder arbeitet 80 Prozent in seinem ursprünglichen Job und 20 Prozent als Kinderbetreuer. Natürlich unter der Leitung einer pädagogischen Fachkraft, die sich dem Kindergarten komplett widmet. Für mich als Mutter wäre es sehr schön zu wissen, dass ich gleich kommen kann, wenn irgendetwas mit meiner Tochter sein sollte.

Mit schulpflichtigen Kindern habe ich noch keine Erfahrung, aber ich glaube, dass es sehr hilfreich wäre, die Vormittage im Büro und die Nachmittage zu Hause verbringen zu können. Darüber hinaus wäre eine Ferienunterbringung durch das Unternehmen während der Schulferien hilfreich. Obwohl Familienfreundlichkeit für Unternehmen ein anerkannter Wert ist, glaube ich fast, dass ich meine Vorstellungen in einem eigenen Unternehmen umsetzen muss, wenn ich sie erleben will. Zudem gibt es noch ein anderes Problem: Unternehmen präsentieren sich flexibel, verständnisvoll, gewähren Home Office und Teilzeit. Aber ich habe schon oft erlebt, dass die Karriere nach der Elternzeit nicht so reibungslos weiterlief wie bisher. Plötzlich sollten sie Routineaufgaben erledigen, statt entscheidende Weichen zu stellen. Ich kann das verstehen: Die allermeisten Mütter können nicht uneingeschränkt Überstunden leisten, und ihr Ausfallrisiko ist höher. Ich glaube, dass sie diese Nachteile voll ausgleichen können: sie arbeiten strukturiert, wissen sehr genau ihre Zeit zu nutzen, Prioritäten zu setzen und sind sehr loyal zu ihrem Arbeitgeber, besonders wenn er ihnen das Gefühl eines sicheren Arbeitsplatzes vermittelt.

Außerdem passt der Wert „Familienfreundlichkeit“ sehr gut zu anderen Werten, für die so gut wie alle Unternehmen stehen: Work-Life-Balance, Gleichberechtigung, Diversity…

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