Heute wäre mein Freund fast den Golden Gate Headlands Marathon gelaufen. Sein einziges Problem: Bei der Strecke handelt es sich um einen Rundkurs, der zweimal gelaufen wird, und um einen sehr anspruchsvollen: über Sand, durch schmale Pfade, entweder steil bergauf oder bergab. Und nach der ersten Runde dachte er sich, dass eine Runde eigentlich reicht. Ich gebe ihm da völlig Recht, insbesondere, da er sich nicht vorbereitet hatte. Ich selbst habe sämtliche Marathonpläne für 2014 gestrichen, stattdessen bekommen wir ein neues Familienmitglied Anfang November.

Claire's erste Brückenüberquerung

Claire’s erste Brückenüberquerung

Trainieren ist für das arbeitende Elternteil gar nicht so einfach. Während ich mit Claire jeden Tag ausgiebig laufen oder spazieren gehen kann, kümmert sich mein Freund ums Geld verdienen. Wenn abends Feierabend ist, spielt er oft mit Claire, und ich habe eine Stunde für mich. Klingt luxuriös, heißt aber eigentlich nur Zeit, um als Marketing-Freelancerin zu arbeiten. Natürlich könnte man auch das Training priorisieren, aber zum Glück kommt Claire bei meinem Freund zuerst!

Claire untersucht das Modell der Brücke

Claire untersucht das Modell der Brücke

Während ich annahm, dass mein Freund vier bis fünf Stunden brauchen würde, machte ich mich mit Claire auf den Weg um zum Zieleinlauf zu wandern. Erstmal sind wir ganz bequem mit dem Bus zur Gold Gate Bridge gefahren, und das erstaunlicher Weise zum ersten Mal. Von unserer Haustür aus dauert das knapp 15 Minuten und kosten 2 $ – sollte man also öfter machen. Die Busse hier sind immer so billig, fahren tagsüber etwa alle fünf Minuten und halten in lächerlich kurzen Abständen, was die Fahrzeit sehr ausdehnt. Dafür sind es umweltfreundliche Elektrobusse.

Nachdem Claire den kompletten Bus unterhalten hatte, stand ihre erste komplette Überquerung der Brücke an. Im Vorfeld gab ich ihr noch eine kurze Einführung in die Konstruktion der Hängebrücke, die sie ganz interessant zu finden schien. Auf der Brücke schlief Claire unmittelbar ein, denn sie ist stark frequentiert und Claire finden Motorengeräusche einfach urgemütlich.

Topmodell

Topmodell

Kaum kamen wir von der lauten Brücke auf unseren wunderschönen Wanderpfad, den „Costal Trail“ zum Rodeo Beach, war Claire wach und bestens gelaunt. D.h. sie wedelte mit den Beinen und zeigte mir alles mögliche „dadadada!“.

Ich war auch begeistert, erstens von meiner Tochter, die über zwei Stunden zufrieden im Tragegurt war, dann von den schmalen Wegen, und schließlich von der Aussicht: links die Bay, rechts der Pazifik.

Auf dem Costal Trail...

Auf dem Costal Trail…

Dann bemerkte ich eine SMS meines Freundes, seine „Stimme der Weisheit“ habe ihm eingegeben, nach dem Halbmarathon aufzuhören. Sehr verantwortungsvoll, dachte ich mir. Und als ich zu so viel Einsicht gratulieren wollte fiel mir auf, dass ich keinen Netzempfang hatte. Die nächsten zwei Stunden verbrachten mein Freund und ich damit, uns ohne technische Kommunikationsmittel in der Natur über den Weg zu laufen. Rauchzeichen sind unter Umständen zuverlässiger, aber irgendwann hatten wir es geschafft. Auch wenn wir in der Zwischenzeit einen Wickelstopp einlegen mussten und Claire von dem Tragegurt auf meinen Arm gewechselt hatte (sicher ein gutes Training).

Was für ein Marathontag!

Was für ein Marathontag!

 

Zur Feier des Tages gingen wir wieder einmal zum Brunchen nach Sausalito, zu meinem Lieblingsrestaurant Salito’s. Dort kann man direkt am Wasser in der Sonne sitzen, San Francisco anschauen frischen Fisch und besonders Crab genießen und die Zeit vergessen. Sogar Claire macht mit. Erstens gibt es dort exzellentes selbst gebackenes Brot, zweitens ein Geländer, an dem man sich wunderbar entlang hangeln kann….

 

 

 

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