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Claire's Lieblingsbar; für sie gibt es hier eine Foccacia-Flat

Ich kenne kein Baby, dass so gerne isst wie unsere kleine Tochter.

Morgens und abends bekommt sie eine Flasche mit rund 200 ml Babymilch – und jedes Mal habe wir eine Tragödie, wenn die Flasche leer ist: markerschütterndes Geschrei, das nach einer existentiellen Bedrohung klingt. Dann eine letzte Überprüfung, ob die Flasche wirklich leer ist. Und wenn sich das Ergebnis bestätigt, schmeißt sie die Flasche in die Ecke.

Zwischenzeitlich habe ich überlegt, ob hier dringender Erziehungsbedarf besteht, aber dann ist mir eingefallen, dass sie ja nicht einfach sagen kann „Danke Mama, die Milch hat sehr gut geschmeckt, aber was gibt’s jetzt als Hauptmahlzeit?“.

Noch ein Stück Brot?

Noch ein Stück Brot?

Übrigens ist es nicht so, dass Claire eine besondere Vorliebe für Milch hätte. Sie mag eigentlich alles, bis auf Kartoffeln und Tofu. Ihre große Liebe gilt dem Brot. Angefangen hat es in Deutschland, sonst wäre es etwas seltsam, denn in San Francisco bekommt man wirklich alles, abgesehen von ordentlichem Brot (und medizinischer Fußpflege). Baguette und Foccacia gibt es schon, alles andere ist weich und süß. Fairer Weise muss ich erwähnen, dass es im World Market manchmal auch in Deutschland produziertes und abgepacktes Pumpernickel zu kaufen gibt. Aber das weder frisch noch meine Lieblingssorte.

Claire ist toleranter als ich. Für sie ist alles an Brot wesentlich besser als die Gemüsebreis, die ich ihr normalerweise gebe. Das wäre kein Problem, hätte ich nicht irgendwo gehört, es sei wichtig, dass Kinder von Anfang an Essen auch als gesellschaftliches Ritual erleben. Deshalb bemühe ich mich, dass unsere Familie, oder wenigstens Claire und ich, mittags zusammen essen: Gemüsebrei für Claire; Suppe und Salat für meinen Freund und mich.

Bis Claire ihre große Liebe entdeckt hat, konnten wir dazu Foccacia, Bagels oder Toast genießen. Jetzt können wir das nur noch, wenn wir teilen. Sobald das Brot auf dem Tisch steht, ist Schluss mit Brei: Claire presst ihre Lippen fest zusammen, wenn ich ihr einen Löffel mit Brei gebe. Isst sie selber schmeißt ihre Frucht- und Gemüsestückchen einfach auf den Boden: Platz machen für das gute Brot. Wir essen also mittags kein Brot mehr.

Gute Idee!

Gute Idee!

Insgesamt profitieren wir von Claire’s Vorliebe: wir können gemütlich essen gehen oder stundenlang mit Freunden und Familie zusammensitzen, solange Claire mit Brotrinden versorgt ist. Erstaunlicherweise hat sie noch nie genug gehabt.

Wenn ich an den Bauch eines zehn Monate alten Babys denke, müsste dieser doch nach zwei Scheiben Toast komplett voll sein. Claire hat irgendwo versteckte Kapazitäten, da geht immer noch was!

Gestern hatte Claire gerade eine ganze Banane bekommen, bevor wir zum Einkaufen gegangen sind. Im Supermarkt gab es eine Promotion für Hamburger, und mein Freund und ich haben getestet. Das war leichtsinnig! Claire fing sofort an, wie am Spieß zu schreien, und mir blieb nichts anderes übrig als durch die Gänge zu rennen, auf der Suche nach Ablenkung. Zum Glück fanden wir eine Promotion für Toastbrot fand. Unser Tag war gerettet!

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