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Claire und ich erleben beide heute zum ersten Mal Thanksgiving. Ich stehe dabei ein bisschen vor der Herausforderung: was macht man an Thanksgiving?

Happy Thanksgiving!

Happy Thanksgiving!

Ich finde es sehr schön, wenn man die traditionellen Feiertage für seine eigene kleine Familie neu entdeckt: wir legen in diesem Jahr den Grundstein für unsere eigene Familientradition. Was mich an diesen Festen schon immer gestört hat war eine gewisse Langweile: viel Familie, viel essen. Viel mehr eigentlich nicht: Mal ein Besuch in der Kirche, mal ein Spaziergang.
Was mich zu Thanksgiving interessiert: was macht man außer Familie und essen?

Wenn auch immer ich gefragt habe: Thanksgiving ist großartig, die ganze Familie kommt zusammen und isst. Dabei geht es darum besonders leckere Dinge aufzutischen, traditioneller Weise ist auf jeden Fall ein gefüllter Truthahn dabei und Kürbiskuchen. 470.000.000 Ergebnisse findet Google, wenn man „Thanksgiving Menu“ eingibt.

Als gute Hausfrau hätte ich mich längst um die Dekoration (Orange- und Brauntöne, Kürbisse und Truthähne, gelegentlich auch in Kombination mit Rentieren oder Weihnachtsbäumen) kümmern müssen. Und um das Essen: Truthahn, fertige Füllungen und Pumpkin Pie bilden gignatische Berge, prominent platziert Supermärkten. Wir haben uns dagegen entschieden. Denn wir sind wirklich zu zweit mit Claire. Alle unsere Freunde besuchen entweder ihre Eltern, oder werden von ihren Eltern besucht. Für zwei ist ein gefüllter Truthahn ein bisschen viel. Außerdem habe ich Zweifel, ob mein Erstlingswerk besonders gut gelingt. Und die Vorstellung, die Füllung in den Truthahn zu stopfen, macht mir nicht unbedingt Appetit.

Was bleibt von dem großen Fest? Idiell ein Gefühl der Dankbarkeit, dass man Nahrung hat. Vielleicht auch das Bedürfnis, diese Nahrung mit den Menschnen, die man besonders liebt, zu teilen.

Was macht man an Thanksgiving?

Was macht man an Thanksgiving?

Dabei geht Thanksgiving über das europäische Erntedankfest hinaus, da es seinen Ursprung bei den ersten Einwanderern hat: Sie kamen mit der Mayflower 1620 nach Amerika, waren von der Reise geschwächt, litten unter einem Kälteeinbruch, und ihre Nahrungsmittel gingen zur Neige. Sie beteten und baten um Hilfe. Tatsächlich hatten sie im Folgejahr eine gute Ernte, wobei ihnen Gottes Hilfe durch die Indianer zuteil wurde, die ihnen zeigten, wie man Mais, Bohnen und Kürbis kultiviert. Als Dank gaben sie im Herbst 1621 ein großes Fest gemeinsam mit den Indianern – das erste Thanksgiving – der Sage nach.

Den idiellen Teil habe ich mir gedacht und die Sage recherchiert. Konkret habe ich nur eine einzige Sache gefunden, die man speziell an Thanksgiving macht: einkaufen!!! Und das in so großem Maßstab, dass die meisten Läden am Black Friday (was in Europa als „schwarzer Freitag“ bezeichent wird, der Börsencrash 1929, heißt hier Black Thursday dank der Zeitverschiebung), dem Tag nach Thanksgiving, schon ab 4 Uhr morgens geöffnet haben – und gründlich reduziert. Was für ein Angebot!

Auch hier bin ich ein Thanksgiving-Muffel. Aber eine einzige Sache machen wir, und die habe ich mir ausgedacht: Wir pflanzen einen Baum. Als Symbol der Dankbarkeit, und um der Natur etwas zurückzugeben.

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