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ich habe mir überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll: Claire ist mir vom Wickeltisch gefallen. Meine Welt stand für einen Moment still, und ich dachte einfach nur: das ist nicht passiert. Das darf nicht passiert sein. Zurückspuhlen!

ich schreibe, weil der (Un)fall gut ausgegangen ist, weil er mich tief bewegt, und weil es vielleicht andere Mütter daran erinnert, immer sehr gut aufzupassen…

Letzten Samstag bin ich mit Claire zur Schwimmstunde gejoggt. Im Gepäck unsere Badesachen, ein paar Windeln und meine Kreditkarte. Nach dem Schwimmen habe ich erst Claire angezogen, und danach mich. Dabei habe ich Claire auf dem Wickeltisch gelassen, und wären ich mich mit einem Knoten in meinem Schnürsenkel beschäftigt habe, hörte ich einen Plumps, und meine kleine Tochter lag flach ausgestreckt auf dem Rücken auf dem Steinboden.

Nein, nein, nein, nein, nein…ich habe sie sofort aufgehoben und getröstet, und sie ließ sich beruhigen. Das Ganze ging so schnell, dass keine der anderen Mütter um mich herum davon Notiz nahm. Mir schossen die Tränen in die Augen, ich schnappte mir Claire und unsere Tasche. Und eilte nach draußen: Gerhirnerschütterung, Gehirnblutung, Gehirnschaden.

Im Eingangsbereich sah mich eine Mutter aus unsere Schwimmgruppe. „Alles in Ordnung?“ Ich weinte und erzählte ihr, was passiert war. Sie tröstete mich, während ihr Mann und ihr kleiner Sohn mit Claire scherzten – die schon wieder lachte.

Die beiden empfahlen mir in die Universitätsklinik zu fahren – einfach zur Sicherheit. Sie gaben mir die genaue Adresse inklusive der Beschreibung des Eingangsbereichs und wo ich die Notaufnahme für Kinder finde. 1000 Dank!

Zum Glück fanden wir gleich ein Taxi und kamen gut durch, mri ging es natürlich viel zu langsam. Ich konnte immer noch nicht fassen, dass ich so schlecht auf Claire aufgepasst hatte. Im Krankenhaus fand ich mich sofort zurecht, in der Notaufnahme für Kinder kamen wir gleich dran.

Ich brach wieder in Tränen aus, als ich den Hergang beschreiben wollte. Die Schwester sagte, ihr sei das Gleiche mit ihrem Sohn auch passiert, und die Kleinen wären oft stärker, als wir denken würden. Keiner fragte nach unserer Versicherung oder nach einem Ausweis.

Fünf Minuten später wurde Claire untersucht. Gewicht, Temperatur, Puls, Schwellungen am Kopf, Reaktion der Pupillen auf Licht. Meine Tochter lachte die Ärzte an und interessierte sich für ihre Instrumente. Nichts deutete auf eine Verletzung hin.

Wir hatten mit zwei Ärtzen zu tun, beide trösteten auch mich; das könne schneller passieren, als man denken würde. Heute wäre wohl der Tag der Stürze…alles, damit ich mich besser fühlte. Trotzdem wusste ich natürlich, dass ich meine Aufgabe als Mutter nicht gut gemacht hatte – möglicherweise mit katastrophalen Folgen. Und es tat mir unendlich leid, gegenüber Claire und gegenüber ihrem Vater, der in Europa war.

Ein Sturz aus einem Meter Höhe ist nicht zu verachten, deshalb sollten wir noch ein paar Stunden bleiben, sagte unsere Ärztin. Ob ich Claire stillen dürfte? Ob es in Ordnung sei, wenn sie sich so viel bewegt, wie sie möchte? Kein Problem.

Claire strahlte jeden Arzt und jede Schwester an, die an unserer Kabine vorbei liefen. Nach zwei Stunden kam eine weitere Untersuchung, bei der Claire wieder neugierig Lampe, Stethoskop und Namensschild des Arztes inspizierte. Danach dürften wir nach Hause, bekamen aber die Handynummer des Arztes für Notfälle und eine Checkliste der Anzeichen, bei denen wir umgehend zurück ins Krankenhaus gehen sollten.

Der Sturz ist jetzt drei Tage her. Ich habe sie in der ersten Nacht zu mir ins Bett geholt, weil ich die ganze Zeit Angst hatte, dass sie stirbt. Sie kam mir noch nie schöner vor, und ich habe ein bisschen mehr über die verantwortungsvolle Aufgabe eine Mutter zu sein, gelernt: Das Kind kommt an erster Stelle. Es gibt nichts vergleichbar Wichtiges.

Ich habe immer noch tausend andere Interessen, ich freue mich, wieder mehr zu arbeiten, ambitionierter zu trainieren und mehr von der Welt zu entdecken. Aber wichtig? Wichtig ist Claire.

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