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Langstreckenflüge gehören nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich habe keine Flugangst, aber die Kunst im Flugzeug zu schlafen beherrsche ich nicht, und so erscheinen mir diese Flüge als genau das, was sie sind: lang.

Ein erstklassiges Baby in der First Class

Vor dem Flug allein mit Claire von San Francisco nach Frankfurt hatte ich entsprechend Respekt. Mein Freund meinte, ich solle mich entspannen, er hätte schon mit so vielen schreienden Kindern ein Flugzeug geteilt, dass sein Kind ruhig auch einmal schreien dürfe. Mich überzeugte das nicht, und offensichtlich sah ich so verzweifelt aus, dass mein Freund sein Meilenkonto gründlich strapazierte: Claire und ich flogen First Class.

Claire_Flugzeug_3Das war ein First für Claire mit sechs und mich mit 433 Monaten. Bei der Sicherheitskontrolle brachte uns der Status nichts. Ich musste Claire aus dem Tragegurt nehmen, und mit ihr auf dem Arm, Schuhe, Laptop etc. ausbreiten. Allerdings dürften wir dank Baby durch ein Tor gehen, in dem man trotz Kontrolle weniger bestrahlt wird. Nachdem ich meine sieben Sachen mit links wieder eingesammelt hatte, gingen wir in die First Class Lounge. Ein ruhiger, heller Ort, vergleichbar mit einer gelungenen Lounge eines Luxushotels, eingerichtet auf eine geschmackvoll-kosmopolite Art, ein Esperanto der Innenarchitektur. Hier kann sich jede Nationalität wohl fühlen. Amerikanische Geschäftsleute in ausgeleierten Trainingsanzügen führten hörbar entscheidende Telefonate. Jeder hatte sich so gesetzt, dass sie immer einen Sessel der Vierergruppen belegten – Claire und ich mussten uns irgendwo dazusetzen. Allerdings nicht für ein wichtiges Telefonat, sondern ein ebensolches Mittagessen. Aber vorher warf ich einen Blick auf das Buffet – sehr lohnend. Von Sushi über frischen Lachs, verschiedene Früchte oder Roastbeef gab es lauter leichte, visuell ansprechend angerichtete Köstlichkeiten. Dazu Ruinart sowie eine nette Auswahl offener Weine, eine gut sortierte Bar und freundliches Personal.

Claire und ich ernteten überall erstaunte Blicke, und ich war gar nicht so sicher, ob es sich aus Sicht des älteren japanischen Pärchens, zu dem wir uns setzten, gehörte, dass ich Claire stillte. Aber die ältere Dame bot mir sehr nett ihre Hilfe an. Es gibt eine gewisse Solidarität unter Müttern.

Stretching zwischendurch

Stretching zwischendurch

Der Flug verlief sehr entspannt, Claire schlief die meiste Zeit und schrie maximal zehn Prozent. Dafür ernteten wir skeptische Blicke. Babies mit Kindermädchen in die Economy. Ich musste zum Beispiel die Wickeldecke für den Start im Gepäckfach verstauen – sicher ist sicher! Und das ohne angebote Hilfe, deshalb mit links, Claire im rechten Arm.

Dafür sind wir gut gelandet, Autositz und Koffer waren gleich da, sowie Claires Onkels, die uns netterweise am Flughafen abgeholt haben – ein guter Start in Deutschland! Nur das Rhytmusgefühl für Tag und Nacht ist uns verloren gegangen. Länger als drei Stunden ohne Essen am Stück haben wir seit vier Tagen nicht geschafft, aber ich bin sicher, dass pendelt sich bald ein…

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