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Ich glaube, wenn man Mütter fragt, was sie sich für ihre Kinder wünschen, antworten 98% Gesundheit und Glück. Die restlichen zwei Prozent sagen etwas anderes, weil sie Glück und Gesundheit als selbstverständlichen Wunsch einer jeden Mutter betrachten.

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Schwieriger ist die Frage, wie wir unseren Kindern helfen können, ihr Glück zu finden. Mein Ansatz für unsere Tochter Claire ist viel Liebe, und ihr die ganzen Dinge zu zeigen, wegen denen ich das Leben liebe. Das ist aus New Yorker Sicht ungenügend, habe ich im Rahmen eines Abendessens am Candlewood Lake erfahren. Der See liegt etwa eine Stunde Autofahrt von New York entfernt und gibt erfolgreichen New Yorkern die Möglichkeit, die schnellste Stadt der Welt mit einem sehr entspannten Leben auf dem Land in einer ungewöhnlich schönen Umgebung zu verbinden. Dazu gehört auf jeden Fall ein Motorboot und im Idealfall ein schickes Cottage mit Seegrundstück.

Unsere Freunde haben eins, und uns eingeladen. Das war ein langes Wochenende zu siebt: vier Erwachsene, drei Kinder, vier Monate, zwei und vier Jahre alt. Am Samstagabend kam eine weitere Familie zum Essen mit zwei kleinen Mädchen, ebenfalls zwei und vier Jahre alt. Neben Der Entwicklung der Immobilienpreise war die Schule der Kinder das Hauptthema. Und zwar die Schulen, in denen die beiden Vierjährigen seit einem Jahr gehen. Der Sohn unserer Freunde hat es geschafft, als eines von vier Kindern unter 2000 Bewerbern ausgewählt zu werden. Diese Leistung ist umso beachtlicher, da er während des Auswahlprozesses keine zwei Jahre alt war. Seine Eltern zahlen etwa 25.000 Dollar im Jahr, um den Grundstein für eine gute Ausbildung zu legen. Der Unterricht dauert drei bis vier Stunden an fünf Tagen in der Woche. Darüber hinaus geht der Junge zum Baseball, Tennis, Basketball, Fußball und Hockey. Ich habe vergessen, nach Musikunterricht zu fragen.
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Ich bin ja so naiv zu glauben, dass Kinder Zeit zum Spielen brauchen. Trainer und Spielzeug halte ich für weitgehend überflüssig dank ihrer Phantasie. Die Einschulung mit sechs finde ich früh genug, und wenn ein Kind unbedingt früher lesen lernen will, schafft es das schon. Wenn ich mir den kleinen Jungen anschaue, geht es ihm gut: ein liebevolles, aufgewecktes Kind, dass in sich ruht, auch wenn er von seiner Mutter ständig abgefragt wird. Er antwortet gerne, und wenn er es nicht weiß, bittet er seine Mutter ihm die Antwort vorzusagen, damit er sie wiederholen kann. Und erfreut sich auf die Schule. Seine Mutter hat ihm schon Fotos von seinen Lehrern gezeigt und ihm die Namen beigebracht – für einen guten Start in das neue Jahr! Ich bin gespannt, wie wir das mit Claire machen, natürlich soll mein Mädchen gute Chancen haben!

Die Eltern des vierjährigen Mädchens hatten eine andere Schule ausgewählt. Hier wird Disziplin sehr groß geschrieben, von Anfang an: die Schuluniform ist exakt vorgeschrieben inklusive Schuhe, Ohrringe und Nagellack (kein Nagellack). Die Kinder müssen gerade sitzen, die Hände vor sich auf dem Tisch, Blickkontakt zum Lehrer. Die Kinder erhalten jede Woche ein Kärtchen mit drei Wörtern, die sie lernen müssen. Die Eltern verpflichten sich per Unterschrift, dass sie dafür sorgen. Zudem müssen sie eine Leseliste abarbeiten. Wenn die Kinder gegen Regeln verstoßen, etwa Süßigkeiten in die Schule mitbringen oder keinen Blickkontakt halten, gibt es eine consequence. Das ist nur ein Verweis. Fünf davon darf man sich davon pro Woche leisten, dann gibt, es ein Elterngespräch. Ich muss schockiert geschaut haben, den ihr Vater sagte, er sei froh über die Vorgaben, so wisse er, was für seine Tochter genau richtig sei.

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Anschließend sprachen die Mütter über das Lernprogramm Your Baby can read. Ich hatte schon in Deutschland davon gehört, es irrtümlicherweise aber für einen Witz gehalten. Tatsächlich handelt es sich um ein Leselernprogramm für Kinder ab sechs Monaten (es ist also noch nicht zu spät für Claire!). Jetzt, tauschten sich die Mütter aus, habe eine Studie ergeben, dass Kinder, die als Baby mit dem Programm gelernt haben, in der Schule keinen Vorsprung haben. Ja, sogar im Gegenteil, stellten die Mütter beruhigt fest. Ihre Babies hatten die Teilnahme an dem Programm einfach verweigert, indem sie nicht konzentriert auf den Bildschirm geschaut hatten – anscheinend eine notwendige Voraussetzung zum Lesen lernen.

Claire hat also doch noch ein paar Jahre Zeit, bis zum Lesen. Wir fangen lieber mit sprechen ab. Claire hat sich für den Buchstaben a entschieden. Sie beherrscht ihn in verschiedenen Tonlagen und Betonungen. Ausdrucksstark. Und wer a sagt, muss auch b sagen. Ob sie das weiß? Egal, mir wäre Mama sowieso lieber…

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