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Letztes Wochenende waren wir in Santa Cruz. Mit dem Namen verbinde ich seit dreizig Jahren positive Assoziationen: surfen, skaten. So cool wie unerreichbar für ein kleines Schulmädchen in Essen.

Claire's erster Strandtag

Claire’s erster Strandtag

Meine Kindheitsträume waren nicht der Grund für den Ausflug, sondern der Traillauf „Run by the Sea“. Ich dachte, das sei eine gute Gelegenheit, mal wieder auf Zeit zu rennen. Nicht, dass ich viel trainieren könnte; wenn mein Freund zweimal pro Woche auf unsere Tochter aufpasst, bin ich glücklich. Aber die täglichen Spaziergänge mit Claire und meine YouTube Yoga Videos könnten ja auch positive Trainingseffekte haben…

Außerdem wollten wir beide endlich mal wieder zusammen laufen, das hatten wir seit einem Jahr nicht mehr gemacht. Da er zwei Jahre in Santa Cruz gelebt, lohnte sich der Besuch erst recht, wir konnten ein paar alte Freunde treffen und nach der hier sehr verbreiteten Methode „crash a place“ im Haus einer Freundin übernachten.

Louis' Diner

Louis‘ Diner

Wir kamen erst am späten Nachmittag an, denn wir haben die wunderschöne Küste genossen, etwa bei einem Stopp im Louis‘. Angehalten haben wir, weil der Sohn einer meiner Freundinnen so heißt, und ich wenigstens ein Bild machen wollte. Und bei der Gelegenheit habe wir dann auch erfahren, dass das Restaurant 1937 von griechischen Einwanderern eröffnet wurde, seitdem in Familienbesitz ist, und dass die Kellnerin Rosie dort 52 Jahre lang gearbeitet hat – nicht schlecht für den Anfang.

Schwimmen mit Ottern in Santa Cruz

Schwimmen mit Ottern in Santa Cruz

Angekommen in Santa Cruz wollten wir schnell zum Strand und eine kleine Runde schwimmen, denn in Santa Cruz war es schön warm im Gegensatz zu San Francisco. Ein Mark Twain Zitat lautet „Der kälteste Winter, den ich jemals erlebt habe, war ein Sommer in San Francisco“. Ich habe schon kältere Winter erlebt, aber noch nie einen so kalten Sommer! Das Klimaphänomen ist bekannt und nachvollziehbar, ich bin damit trotzdem nicht so ganz glücklich. Dafür umso mehr mit Santa Cruz! Während mein Freund mit meiner Tochter erste Pazifikerfahrungen gesammelt hat, bin ich ein paar Meter geschwommen, zusammen mit Ottern und Pelikanen.

Abends haben wir uns mit dem Freund und seiner Tochter getroffen, der während des Laufes auf Claire aufpassen sollte, und wir sind früh ins Bett gegangen, denn unser Programm begann um 6 Uhr: Milch pumpen, Claire stillen, Claire wickeln und anziehen, Claire bei dem Freund vorbeibringen, zum Startpunkt fahren, Startnummern abholen und dann um 08:30 Uhr beim Startschuss alles geben!

9.Platz beim Run by the Sea

9.Platz beim Run by the Sea

Leider hatte ich nur ein einziges kleines Teil der Milchpumpe vergessen. Claire ohne Milch können wir niemandem zumuten. Unsere Tochter ist wirklich entspannt, aber wenn es um Essen geht, macht sie keine Kompromisse. Das hieß dann wohl kein Lauf für mich – bzw. hätte es heißen müssen. Mein Freund hat unglaublich netterweise verzichtet. Er hatte Claire in einem Tragegurt, auf dem seine Startnummer befestigt war – und war damit das Fotomodell des Tages!

Chill Out Cafe

Chill Out Cafe

Nach dem Lauf kamen wir an einem O’Neill Garage Sale vorbei – bei der Gelegenheit haben wir uns sozusagen an der Quelle mit Neoprenanzügen eingedeckt. Schließlich war Jack O’Neill einer der ersten, der Neoprenanzüge hergestellt hat. Zum Surfen hat es nicht mehr gereicht, das lag weniger an Claire als an Wellenmangel.

Dafür gab es sensationelle Brunch Buritos im Chill-out Cafe‘. Und zwei nette Erlebnisse: Wir hatten kaum Bargeld dabei, weil man das in San Francisco so gut wie nie braucht. In Santa Cruz aber schon. Also suchten wir unsere Dollarscheine zusammen. Mit Dollars hat man schnell ein schönes Bündel zusammen, aber es reichte aber nicht ganz. Der Typ hinter uns bot an, den Restbetrag aufzustocken – einfach so. Zum Glück war es nicht nötig, aber sowas von nett!

chillen

chillen

Und beim Essen hatten wir Livemusik: Ein Surfer feierte seinen 40. Geburtstag und konnte recht gut Gitarre spielen. Deshalb hatten ihm seine Freude die Aufgabe gegeben, seine 40 Lieblingslieder zu spielen, bevor seine Party losging…

Die netten Überraschungen gingen weiter: Ich hatte geplant, den Nachmittag am Strand zu verbingen, plantschen mit Claire, in der Sonne liegen, schwimmen. In der Praxis war das keine gute Idee. Wind und Sonne waren viel zu stark für ein vier Monate altes Baby. Wir versuchten aus Bodyboards einen Schutz zu bauen, aber das Ergebnis überzeugte meinen Freund nicht. Eine Familie, ebenfalls mit kleinen Kindern, sah uns und bot uns ihren Sonnenschirm an. Sie würden jetzt nach Hause gehen, und wir wollten den Schirm einfach vorbeibringen, wenn wir fertig wären. Dann sagte sie noch schnell ihre Adresse, und das war’s.

So ein netter Sonnenschirm

So ein netter Sonnenschirm

Es war schön am Strand, Claire schlief, schrie oder aß und wir unterhielten uns mit verschiedenen Leuten über Eltern, Kinder und Glück. Die Menschen haben uns einfach angelächelt und angesprochen, statt sich über die Ruhestörung zu beschweren.

Und nachdem wir den Sonnenschirm plus einer Flasche Wein bei der hilfsbereiten Familie vorbeigebracht haben, haben sie uns gleich eingeladen. Sie hätten ja auch kleine Kinder, und wüssten, wie das ist…leider mussten wir wieder fahren.

Santa Cruz war für mich traumhaft schön: kleine, oft liebevoll gestaltete Holzhäuser, stehen eng beieinander und behergen eine bunte Mischung. Ob Internetmillionär, Rentner oder Aussteiger, die Menschen sind einfach glücklich miteinander.

Santa Cruz Sonnenblume

Santa Cruz Sonnenblume

Die Natur ist allerdings wirklich beglückend schön. Ich wäre gern geblieben. Ich habe mich in dieser Atmosphäre sofort Zuhause gefühlt und mit den freundlichen Menschen verbunden.

Freundlich sind die Menschen in San Francisco auch, aber ich habe den Eindruck, es geht eigentlich darum, sich zu verkaufen. Und das heißt immer Lächeln, immer alles positiv sehen und alles in den höchsten Tönen loben.

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