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Sobald ich von den San Francisco City Guides gehört habe, wollte ich bei einer Tour mitmachen. Die Organisation ist eines von vielen Beispielen, wie sich die Menschen hier ehrenamtlich engagieren. Die City Guides zeigen ihre Stadt aus Begeisterung – kostenlos. Entweder ihr Viertel, oder ein Thema, das sie besonders interessiert, z.B. Hitchcock’s San Francisco.

Carol: Unser San Francisco City Guide

Carol: Unser San Francisco City Guide

Claire und ich haben uns für die Tour durch das Fischer- und Touristenvirtel Fisherman’s Wharf entschieden, das ist für uns unmittelbare Nachbarschaft: Wir brauchen nur fünf Minuten zum Treffpunkt, und das gibt mir die nötige Flexibilität trotz unvorhersehbarer Zwischenfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Führung teilnehmen zu können.

Claire kommt ihn ihren Tragegurt, wir machen uns auf zum Treffpunkt: Der Meerjungfrauenbrunnen am Ghiradelli Share. Und wen treffen wir da? Carol ist unsere Führerin. Ich hatte schon Angst, dass wir sie übersehen, aber das ist schwer möglich, denn sie hat sowohl eine San Francisco Giants Kappe auf, die sich deutlich von ihrem sonstigen Stil abhebt, als auch ein Mikrofon. Außer uns sind noch etwa dreißig andere Teilnehmer da, und ich hätte gedacht, wir wären allein!

Ganz so persönlich, wie ich gedacht hatte, ist die Führung nicht: Carol hat einen Ordner dabei, der einerseits alte Fotos enthält, aus dem sie andererseits ab und zu vorliest. Außerdem müssen wir uns in eine Liste eintragen. Nachdem wir das geschafft haben, verbringen wir zwei Stunden auf verschiedenen Piers.

Alioto-Lazio Fish Company

Alioto-Lazio Fish Company

Ich bin nicht auf bahnbrechende Neuigkeiten gestoßen, dafür hat sich meine Tochter hervorragend verhalten: nämlich ruhig, obwohl sie nicht geschlafen hat. Ein paar nette Anekdoten waren aber schon dabei: Ich dachte zum Beispiel, dass die Golden Gate Bridge ihre Farbe aus funktionalen Gründen hätte, ein Anstrich gegen Rost. Falsch: Die Farbe nennt sich „International Orange“ und wurde aus ästhetischen Gründen gewählt, die US Navy hätte einen schwarz-gelben Anstrich bevorzugt, wegen der besseren Sichtbarkeit. Und die Häftlinge in Alcatraz hatten warme Duschen – man wollte verhindern, dass sie sich an kaltes Wasser gewöhnten. Und das dramatische Erdbeben von 1906 hatte auch positive Folgen: etwa die Alioto-Lazio Fish Company. Eine junge Frau Alioto floh vor dem Feuer in das Boot von Tom Lazio. Zwischen den Familien funkte es so gewaltig, dass gleich drei Alioto-Lazio Paare entstanden. Nicht nur in der Liebe, auch im Spiel waren sie erfolgreich: Heute führen die Enkelinnen den Laden.

Ein weiteres Traditionshaus am Fisherman’s Wharf ist die Bäckerei Boudin, seit 1849 berühmt für ihren Sauerteig. Während das Gebäude in Flammen stand, rettete Louise Boudin 1906 geistesgegenwärtig die Grundlage ihres Erfolgs: Den Sauerteig.

Das Wichtigste beim Fisherman's Wharf: Crab

Das Wichtigste beim Fisherman’s Wharf: Crab

Ich erwartete bei Touren grundsätzlich Kirchen oder Schlösser: Tatsächlich habe wir eine Seefahrer-Kapelle gefunden. Und ein paar interessante Informationen zur Fischerei bekommen: 1860 starteten die ersten Fischer: Dabei handelte es sich vor allem um Chinesen, die Crab fischten, trockneten und nach China verschifften. Um 1890 übernahmen die Italiener die Mehrheit. Damals waren etwa 1000 Boote in der Bucht unterwegs. Während die Boote sehr einfach gehalten waren: Keine Koje, keine Küche, Platz für eine Person, sorgten die Italiener für Unterhaltung, indem sie Opern sagen.

Unsere Führerin Carol meinte, eventuell hätten sie sich sogar an den Arien, die sie sangen, erkannt. Ab 1912 kamen die motorisierten Boote und bedeuteten das Ende der Arien. Und Carol hat uns auch gesagt, was in der Bucht besonder gefischt wird: Crab, Lachs und Thunfisch. Zeit für ein Mittagessen!

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